Stammklub on tour
Unsere Himmelfahrtswanderfahrt vom 21.05. bis 24.05. führte uns in das schöne Schleswig- Holstein. Genauer gesagt nach Lübeck, Travemünde, Ratzeburg und zum Schaalsee.
Uwe Schnellrath hatte diese Fahrt wieder perfekt organisiert und der Wettergott meinte es auch gut mit uns. Aber nicht nur der Wettergott, sondern auch unsere Gastgeber von der Lübecker Frauen Rudergesellschaft (LFRG) und der Lübecker Rudergesellschaft (LRG) Marianne und Bernd Liedtke. Nach einem herzlichen Willkommen im Verein am Mittwochabend zeigten sie Uwe und mir noch die schönsten Seiten der Lübecker Innenstadt einschließlich kulinarischer Lokalitäten. Im Laufe des Abends fanden sich alle Teilnehmer ein: Martin Bachmann, David Dangel, Christiane Große-Schönepauck, Karin Köhl, Thomas Kraus, Renate Stadie, Gero Garske, Ulf Baier und „Heri“ (Hans Derk Gestermann) vom Der Hamburger und Germania Ruderclub.
Am Donnerstag ruderten wir nach Travemünde und wieder zurück. Wir waren 11 Teilnehmer für 10 Ruderplätze. Daher teilte ich mir mit Karin die Strecke. Leider verpasste ich somit das Picknick mit Marianne und Bernd, die uns im Zweier begleiteten. Dort soll es gar köstlichen Rhabarberkuchen gegeben haben. Im LRG gab es nachmittags eine Bootstaufe, so dass Marianne und Bernd nur kurz in Travemünde blieben. Wir blieben länger und am Himmel zeigten sich während des Rückweges die ersten Gewitterwolken. Diese umzingelten uns allmählich, was zu einer angeregten „wir wissen alles und mehr über Gewitter“ Diskussion zwischen Ulf und Heri führte. Ich ruderte auf Schlag so vor mich hin bis: „Jetzt sind wir im kanalisierten Teil der Trave, da wird es eng mit Anlegemöglichkeiten.“ „Schön lieb sein, habe alles im Griff“. Wie bitte!?
Ca. zwei Kilometer voraus liegen Segelboote, da wollen wir hin, sofort. Zumal das Gewitter nunmehr frontal mit einer heftigen Regenfront auf uns zukam. Im strömenden Regen sahen wir bald nichts mehr außer, da, da ist was. Ruder halt! Anlegemöglichkeit auf Steuerbord. Tatsächlich, welch Glück. Raus aus dem Boot, selbiges festgebunden. Wo sind wir hier eigentlich? Sieh mal, wir stehen auf Eisen. Das leitet doch! Regen, Blitz, Donner. Ulf stieg diverse Leitern hoch, stand oben auf der Betonspundwand, sah überall Gewitter und erkannte Unterstellmöglichkeiten. Wir (Christina, David, Heri, ich) stiegen ebenfalls diverse Leitern hoch, standen alle oben auf der nächsten Betonspundwand und das Unten war ca. 8 m tiefer. Wähle: bei Gewitter eine Sicherheitsleiter runter klettern oder über die Spundwand (ca. 60 cm breit) und 20 m lang bis zur Böschung laufen. Ich entschied mich für die Spundwand. Links unten ein Parkplatz, rechts unten Brackwasser, über mir das Gewitter und Wind und Regen frischen auf. Ehrlich, so etwas sehe ich mir lieber im Fernsehen an. Auf der Böschung angekommen sah ich nicht so weit entfernt Bürogebäude und Autos. Menschen! Böschung runter, kurz zu David und Ulf, die sich unter einen schmalen Betonvorsprung kauerten und dann im lockeren Trab durch den Regen auf das Bürogebäude zu. Davor standen zwei Männer und rauchten. Auf mein „Moin, Moin“ kamen leicht verwunderte Blicke, dann nach einer Pause „Haben Sie was zu verzollen?“.
„Nee, seh ich so aus?“ Nass, in Ruderkleidung und mit Rollsäckchen in der Hand. ??? Oh, die Männer trugen Uniformen. Uniformen vom Zoll! Nach Aufklärung der Situation wurden wir mit Kaffee versorgt, die restliche Mannschaft wurde im immer noch strömenden Regen sogar mit dem Auto abgeholt. Im warmen Treppenhaus konnten wir das Gewitterende abwarten. Wir befanden uns auf dem Gelände der ehemaligen Flenderwerft, auf dem u.a. der Zoll beheimatet ist. Dem Zoll ein herzliches Dankeschön für die nette und unkomplizierte Aufnahme von fünf nassen Ruderern vom Wannsee. Die andere Mannschaft war aufgrund mangelnder Anlegemöglichkeiten durchgerudert. Sie hatten von der Bootstaufe noch Grillwürstchen und Rhabarberkuchen abbekommen. Unseren Abenteuertag hatten wir hinter uns.
Am Freitag war Entspannungstag. Bei angenehmen Temperaturen ruderten wir die schöne Wakenitz entlang, genossen die Stimmung in dieser wunderschönen Landschaft und wurden von seltenen Enten begleitet. Nach der wasserseitigen Umrundung des Ratzeburger Doms kamen wir im Ratzeburger Ruderklub an. Hier fanden schon die Vorbereitungen für die Regatta am kommenden Wochenende statt. Für die Befahrung des Schaalsees am Samstag musste Uwe vorab eine private (Teile befinden sich in Privatbesitz) und zwei öffentliche Genehmigungen (Land Schleswig-Holstein und Land Mecklenburg- Vorpommern) einholen. Der See ist Naturschutzgebiet und nur mit den o.g. Genehmigungen für Sportboote befahrbar, Motorboote sind grundsätzlich verboten. Vor dem See wartete noch eine besondere Herausforderung auf uns: die längste Umtrage der Welt. Zwischen Ende Küchensee und der Einsatzstelle für den Kanal zum Schaalsee müssen die Boote einzeln einen Kilometer auf einem Wagen bergan per Muskelkraft gezogen werden. In meiner Erinnerung war dies eine Plackerei. (Der Stammklub war vor einigen Jahren schon mal am Schaalsee.) Doch diesmal kam es anders. Dank des Hinweises von Bernd nutzten wir dazu die Pferdestärken des Autos von Thomas. Es war schon komisch anzusehen, 10 Leute joggen neben einem Bootswagen her, der von einem Auto gezogen wird. Der zum See führende Kanal war unverhofft romantisch. Klares Wasser, sich schmal durch einen Wald schlängelnd, bewachsene Ufer und im Wasser liegende Bäume sorgen für langsames beschauliches Rudern. Die Einfahrt in den Schaalsee war mit einer Kette versperrt, unter der wir aber durchrudern konnten. Die Unterwassersperre war für uns entfernt worden. Uwe zeigte die Genehmigungen vor und weiter ging die Fahrt bis Zarrentin am südlichen Ende des Sees. Nach ausgiebigem Kaffee und Kuchen ging es zurück nach Ratzeburg. Die Umtrage erfolgte nunmehr per Muskelkraft, da bergab, kostete aber Zeit, so dass wir erst um 20.30 h wieder beim Ratzeburger Ruderklub ankamen.
Zur Rückfahrt nach Lübeck am Sonntag zeigte sich der Frühsommer von seiner schönsten norddeutschen Seite. Ein spiegelglatter Ratzeburger See, ein nordischblauer Himmel mit weißen Wattewölkchen und auf dem See 10 vergnügte RaWer, die mit lockerem Ruderschlag die Segelboote überholten. Auf dem See trafen wir dann Marianne und Bernd, die bereits auf der Rückfahrt von Ratzeburg nach Lübeck waren. Mal eben hin und zurück. Nach dem Booteputzen gab es Kaffee und Kuchen von und mit Marianne und Bernd. Endlich bekam ich auch Rhabarberkuchen. Hmm, köstlich. Herzlichen Dank Euch beiden für die nette Aufnahme, die ruderische Begleitung und natürlich für den Kuchen.
Herzlichen Dank an Uwe für die Organisation. Dank auch fürs Wetter. Die darauffolgenden Wochenenden waren stürmisch, so dass wir diese Fahrt nicht hätten machen können. Zum Schluss noch die Angaben für die Kilometerfreaks: Donnerstag 44 km, Freitag 22 km, Samstag 47 km, Sonntag 22km.
Renate Bartsch
