Pfingstwanderfahrt 2000
Wie in jedem Jahr zu Pfingsten findet traditionell unsere erste, "kleine" Wanderfahrt statt. Diesmal sollte es zum RV Klein Köris gehen. Samstag früh um 8:00 Uhr traf sich die stattliche Summe von 11 Aktiven am S-Bahnhof Wannsee, um die nächsten vier Tage auf dem Wasser zu wandern. Die Fahrt nach Königs Wusterhausen dauerte doch gute 90 Minuten, der anschließende Fußmarsch zum RC Königs Wusterhausen noch einmal gute 30. Dort angekommen suchten alle Beteiligten erst einmal den Schatten auf, denn es war strahlend blauer Himmel und dementsprechend heiß. Wir wollten (und mußten) noch 30 km rudern.
Leider steckte Pretty mit den Booten im ILA-Stau und kam erst um 12:30 Uhr. Das Aufriggern der Boote dauerte auch noch seine Zeit, so daß wir erst gegen 14:30 Uhr ablegen konnten. Kaum 200m später wartete auch schon die einzige Schleuse dieser Fahrt (die wir allerdings zweimal passieren sollten). Die Schleuse Königs Wusterhausen hat die Eigenschaft über eine Bootsschleppe zu verfügen. Das Bedienen einer solchen erfordert doch schon ein kleinwenig logisches Denkvermögen. Man muß den Bootswagen in der Mitte des Bootes plazieren und dann so am Wagen ziehen, daß beide gleichzeitig aus dem Wasser kommen. Das Anfassen an einem so transportierten Boot fällt auch schwer, wenn man die Hände in den Hosentaschen hat... Aber egal, irgendwann war auch dieses Hindernis überwunden und wir konnten endlich richtig loslegen. So ruderten wir über den Krüppelsee, den Dolgensee, vorbei an Prieros, über den Schmöldesee, den Hölzernen See und den Klein Köriser See zum RV Klein Köris. Eigentlich bin ich kein direkter Freund der Wasserschutzpolizei, aber auf diesen Gewässern kam ich mir vor wie in Venedig. Alles raste und schmiß riesige Wellen. Und wie gesagt, die Herren in den blauen Booten waren leider vollkommen unterrepräsentiert.
Unsere drei Boote hatten sich (entgegen der Vorgabe zusammenzubleiben) doch recht weit auseinander gerudert. Das erste Boot erreichte Klein Köris gegen 19:00 Uhr. Das Letzte etwa 45 Minuten später. Nun sahen wir, wieso der Verein RV Sparta Klein Köris heißt, immerhin gehören ihm rund 50 Mitglieder an. Eine kleine, hölzerne Bootshalle, ein kleiner Saal mit Theke und eine kleines zweistöckiges Vereinshaus standen auf einem recht großen Gelände. Die aktiven Mitglieder kommen freitags nach der Arbeit in den Verein und gehen Sonntag Nachmittag, weil Pfingsten war, erst Dienstag morgen, wieder nach Hause. Fix die Zelte aufgebaut und den Grill angheizt, denn die Ersten (Hallo Khaled...) hatten noch in Königs Wusterhausen nach dem Mittagessen gefragt, das übrigens ausfiel, wegen "Eigenverpflegung bis zum Abend". Daß es keine Duschen gab, störte angenehmerweise auch keinen, denn der Klein Köriser See war doch erfrischend kühl. Wer eine Taucherbrille dabei hatte, wurde zum heißgeliebten Verbündeten, denn die Kinder weilten doch recht schnell auf den Spuren von Jaques Costeau. Und was sie alles im Laufe der nächsten Tage an die Oberfläche bringen sollten: von Flaschen aller Art und Größe über Portemonniases bis zu ganzen Fischreusen und Werkzeug.
Die erste Nacht war die heißeste, die ich je in (oder besser auf) einem Schlafsack verbracht hatte. Doch die Krönung sollte sein, daß die Kinder am nächsten Morgen um 5:30 Uhr nichts besseres zu tun hatten, als die Nacht für beendet zu erklären. Das wurde beim Frühstück für die nächsten Tage unter Androhung von Disziplinarstrafen verboten (was auch einigermaßen klappte...). Das Wetter am Sonntag war noch ein Stückchen drückender. Das trieb den Pro-Kopf-Wasserkonsum, nach rund 3 Litern am Vortag, in fast schwindelerregende Höhen. Unsere heutige Tour führte uns von Klein Köris nach Süden. Über den Moddersee durch einige kleine Kanäle, über den Schulzensee bis zum Teupitzer See einmal um den Egsdorfer Horst herum. Dort fanden wir praktischerweise eine Badestelle und konnten uns wieder abkühlen. Doch schon auf der Rücktour zog es sich langsam zu. Wir hatten die Nudeln fürs Abendessen gerade abgegossen, alle in Vereinshaus gescheucht und Nudeln und Soße in der Küche auf dem Herd abgestellt, da fing es an zu Gewittern und zu regnen. Aber heftigst. Nach einer guten Viertelstunde war alles vorbei, das Essen übrigens auch. Das "in-den-Schlafsack-kriechen" dauerte heute etwas länger, aber gegen 23:00 Uhr war alles ruhig.
Pfingstmontag schliefen alle deutlich länger. Das Wetter war angenehm kühl und der Himmel bewölkt. Die heutige Ruderetappe sollte nicht allzu lange dauern und so fuhren wir "nur kurz um die Ecke" zum oberen Ende des Schmölde See. Doch auf der Rückfahrt vermißten wir unseren Zweier, der heute (am Wunschboottag) mit den drei "Großen" besetzt, eigentlich vorneweg fahren sollte. Wir fanden Boot und Besatzung beim RV Sparta wieder. Nun muß dem Unwissenden noch gesagt werden, daß an diesem Tag auf der Gemeindewiese direkt neben dem RV ein Fest stattfand und sich Khaled dort am Morgen mit einem Pfund Süßwaren eingedeckt hatte. Der geneigte Leser mag sich denken, was geschehen war, als wir ihn neben einem Kännchen Kamillentee vorfanden. Merke: Iß niemals zuviel Süßes auf einmal. Das Abendessen war heute Kartoffelsuppe. Doch zuvor bedurfte es noch einer Lektion "Wie wasche ich eigentlich ohne Spülmaschine ab". Aber Thomas, Robert und Khaled hatten es danach gelernt. Auch eine Lektion, die ich allerdings schon am ersten Tag vorführen durfte, war: "Wie stapelt man Geschirr in einer Kiste, ohne daß eine Berg entsteht ?". Da es nach dem Abendessen leider erst 20:00 Uhr war und der allgemeine Grad der Müdigkeit nicht der von den Betreuern gewünschte war, mußten sich diese noch zu einer Runde "Waterworld" herablassen. Für alle, die diesen Film nicht gesehen haben und schon mal mit kleinen Kindern im Blub waren, die nichts besseres zu tun hatten, als ständig an einem zu hängen, der weiß, wovon ich rede. So tobten wir zusammen eine gute Stunde im oder vor dem Wasser (also was man auf einem nassen Steg so alles für Figuren "rutschen" kann, Sie machen sich ja keinen Begriff...). Zum Schluß wurde noch die Parole "Sachen packen" ausgegeben.
Der Zeitplan für Dienstag war äußerst eng. Aufstehen, frühstücken, Zelte abbauen, Boote wassern, 30 km rudern, Boote aufladen und nach Hause fahren. Und das alles bis 20:00 Uhr. So standen wir schon um 6:45 Uhr auf und schafften es trotz kleiner Panne (Zelte einpacken ist aber auch schwer...) um 9:30 abzulegen. Nachdem die Orangerie (der Gig-Zweier) auf der Hintour das langsamste Boot war, fuhr ich zur Sicherheit auf dem Rückweg selber in dem Boot mit, aber auch das half nicht viel. Obwohl ich allen gesagt hatte wie der Zeitplan aussieht, zog sich das Feld wieder sehr weit auseinander. Die Etappe kam mir übrigens viel kürzer vor als auf dem Hinweg. Mit einem Schnitt von gut acht Kilometern die Stunde fuhren wir Richtung Königs Wusterhausen. Wir erreichten die Bootsschleppe kurz nach 14:00 Uhr. Der Rest kam eine gute ¾ Stunde später. Wer jetzt meint, wir wären ja sowieso gleich da, der irrt. Denn da war ja noch die Bootsschleppe... Ich hatte ja auf den Wiedererkennungseffekt gehofft, aber Pustekuchen. Genauso ein Krampf wir auf dem Hinweg. Aber doch geschafft. Also Boote raus aus dem Wasser, schnell abriggern (was auch schwer ist, wenn man die Hände in den Hosentaschen hat...), aufladen und ab zum Bahnhof. Dort stiegen wir um 18:03 Uhr in den Zug und waren um halb acht in Wannsee. Zu Hause war ich dann "leicht" geplättet. Aber egal. Auf eine neues im Sommer.
Teilnehmer: Robert und Thomas Urbanczyk, Khaled Hassan, Olli Schönemann, Marco Bräuer, Markus Schilling, Carl Wossidlo, Hendrik Bohnekamp, Jakob Spring, Niki Junker und Jan Siesslack.
"Anstandsdamen": Christian "Pretty" Praetorius und Axel Steinacker
Axel Steinacker
