Jung-RaW Sommerwanderfahrt in Friesland
Vorwort von Axel Steinacker
Wir waren ja nun schon (fast) überall auf Sommerwanderfahrt. Dennoch hatten wir
dieses Jahr beim Planen die besten Erinnerungen an unsere Holland-Rundfahrt
anno 1995. Schnell fiel also der Entschluß mal wieder in die Gegend zu fahren.
Diesmal ging es allerdings mehr in den Norden der Niederlande. Von Deventer
über Zwolle, Giethorn, Heerenveen und Leuwarden nach Dokkum. Die Gruppe war
dieses Jahr mit einer Gesamtstärke von 20 Personen recht übersichtlich. Das
Wetter war angenehm sonnig, Regen nur nachts und einmal am Ende einer Etappe,
sprich eigntlich fast nur, wenn man ihn gebrauchen konnte. Leider war die Landschaft
nicht mit der ersten Tour zu vergleichen, außer vielleicht während der letzten
Etappe. Wenigstens kurz sollten einige Highlights der Fahrt erwähnt werden,
bevor einige Tagesberichte weiteres illustrieren. So trafen wir Hans Gaffke,
edler Spender eines Gig-Doppel-Zweier o. Stm./ Gig-Einer m. Stm. für den Jung-RaW.
Er will diese Gabe demnächst auch einmal selbst in Betrieb nehmen, wenn er in
Berlin ist. Der Ort Giethorn hingegen kostete sogar mehr als Nerven. Giethorn,
auch als "Venedig der Niederlande" bezeichnet gleicht eher dem hiesigen Klein-Venedig.
Malerisch enge Kanäle durchziehen den Ort, so daß man die Gegend hervorragend
per Boot erschließen kann. Aus diesem Grund gibt es dort auch zahllose Bootsverleihe,
in denen sich jeder (wirklich jeder) ein Boot mieten kann, mit dem man dann
mittels Motorkraft oder (selten) auch muskelgetrieben durch die Gegend fahren
kann. An einem Sonntag Nachmittag (der Termin zu dem wir da durch die Gegend
fuhren) sind die Zustände ähnlich wie auf der Stadtautobahn an einem Freitag
zu Ferienbeginn, eine halbe Stunde nach Feierabend: voll! Wie angenehm es sich
dann paddelnderweise und mit "Ruder lang" durch die Gegend fährt, darf sich
der geneigte Leser selbst ausmalen. Außer Nerven verloren wir übrigens noch
einen Rollsitz und einen Dollenstift, insgesamt ein positives Ergebnis, wurde
doch keines der Boote versenkt... Den Abschluß der Fahrt bildete ein Ausflug
nach Ameland, der drittgrößten Westfriesischen Insel. Doch nun genug der (Vor)Worte,
lassen wir die Aktiven selber zu Gehör kommen.
Samstag, 19. August - 1. Etappe: Deventer - Zwolle (ca. 45 km)
Aller Anfang ist schwer. Heute sollte es endlich losgehen. Nachdem wir unsere Vorräte noch einmal aufgefüllt hatten und endlich jedes Gepäckstück einen Bootsplatz gefunden hatte, was eeeeetwas dauerte, fuhren wir auf die Ijssel hinaus. Und tatsächlich; es strömte. Bekanntlich ist ja die Strömung in der Mitte eines Flußes am stärksten, jedoch schafften es einige Steuerleute, dauerhaft am Rand zu fahren. Vorwärts gings aber trotzdem. Die Landschaft war (leider) nicht unbedingt abwechslungsreich. Windmühlen wechselten mit Ackerfläche und Gutshöfen, die (wenn der Wind ungünstig stand) einen äußerst herben Landduft verbreiteten. Nach reichlich 40 km erreichten wir unsere "Ausfahrt". Eine Schleuse zum Zwolle-Ijssel-Kanal. Das weit verteilte Bootsfeld traf sich hier wieder. Die Nachzügler erzählten uns, daß zwei Besatzungsmitglieder ein Boot Richtung Krankenhaus verlassen hätten. Eventuell war es ja allgemeine Seekrankheit. Der Rest ruderte jetzt auf einem wunderschönen schilfgesäumten Kanal Richtung Zwolle. Beim ZRZV (Zwolle Roei & Zeil Vereinigng [o.s.ä.]) gingen gerade die Vorbereitung für eine wilde Fete in die letzte Runde. Die Boote parkten wir standesgemäß auf dem Parkplatz (echt wahr). Beim Kochen (es gab hartgekochte Hühnereier wahlweise auf Kräuter- oder Senfjus an Erdäpfeln) überraschte uns der ein abendlicher Regenguß. So gab es (schnellumziehenderweise) Essen drinnen. Die Nacht in der Bootshalle wurde allerdings stellenweise feucht, da das Dach nicht überall hielt, was es versprach.
Axel Steinacker, Tom Stargardt & Stefanie Hartmann
Freitag, 25. August - Besuch bei Hans
Dieser Quasi-Ruhetag stand ganz
im Zeichen eines Besuches. Na ja, bevor es soweit war, gab es das übliche Chaos,
das entsteht, wenn es an "anspruchsvolle" Dinge wie Aufwachen, Aufstehen, Frühstücken
und Rudervorbereitungen geht. Mit einigen Kielschweinen und einem Boot weniger,
fuhren wir schließlich los. Zuvor hatte Hans Gaffke uns einen Vorabbesuch erstattet
und uns die ungefähre Lage seines schwimmenden Kurzzeithabitats erklärt. Nach
einer kurzen Fahrt und einiger Pionierarbeit (suchen und anschleichen) war die
"Caro" gefunden und wir wurden freundlich begrüßt.
Es folgte ein Gastmahl aus
Matjes (der deutlich besser wegging, als Tom gefürchtet hatte), Würstchen mit
Salat und natürlich Vla; dazu Cola und Limo. Nebenbei bestaunte der gemeine
Wanderruderer noch das Boot (groß!) oder führte mit dem Eigner Gespräche über
die Klubgeschichte und Holland (interessant!). Für Technikbegeisterte gab es
dann noch eine ausführliche Instruktion in die GPS-Funkeinheiten, die elektronischen
Seekarten usw. (nachdem das alles in Ruderbooten fehlt...) Nachdem wir noch,
im wahrscheinlich kleinsten Supermarkt Frieslands, einkaufen waren, folgte eine
malerische Ruderetappe durch eine kleine Seelandschaft, dem sog. Princenhof.
Zurück auf dem Campingplatz folgte das Abendessen. Es gab "Reste á la Hans".
Nochmals von dieser Stelle herzlichen Dank für diesen gelungenen "Besuch".
B) Der Ausflug nach Ameland
Leider fahren vormittags nur zwei Busse von Dokkum nach Holwerd (Fährhafen für Ameland): der Erste um 8:49 Uhr (zu früh) und der nächste erst um 12:54 Uhr (fast zu spät). Also wurde es eher ein Halbtagesausflug. Die Fähre auf dem Hinweg war bevölkert von 3 Reisebussen voller deutscher Schulklassen auf Klassenfahrt. Um Zeit zu sparen, nahmen wir den Bus, um quer über die schmale Seite der Insel zum Strand zu kommen. Meer, Wellen, Brandung, weicher Sand, Quallen (nur tote), Muscheln, Krebse (wurden auch lebendig gesichtet), Drachen, Frisbee, schwimmen, spazieren gehen, Pommes & Eis kaufen, Zeitung lesen, durch den Ort bummeln, quatschen - bei schönem Wetter lief die Zeit schnell. Um 18:30 Uhr ging das letzte Schiff zurück. An der Fähre trafen wir Urs (Moschik), Esfandiar und Ulli wieder - wobei Ulli tatsächlich von einer kackenden Möwe voll am Ohr erwischt worden war. C) Der Abend Zurück am Platz (kurz vor 20:00 Uhr), mußten erstmal die Boote verladen werden. Dies nahm etwas Zeit in Anspruch, da der Hänger in der hinterletzten Ecke des Parkplatzes stand. Zum Glück hatten Jockel und Björn das Essen schon vorgekocht und der Milchreis war auch noch warm. Ohne große Lust (weil schon recht spät) wurde das 2. Feedback der Fahrt absolviert.
Anne Germelmann & Joachim Praetorius
