Sommerwanderfahrt 2002 auf der Saone

Was erzählt man über eine Wanderfahrt, auf der es zum ersten Mal seit wir diese Fahrten durchführen (10 Jahre) ernste Unstimmigkeiten gab ?

Es gab aber viele erfreuliche Dinge; am Besten erzähle ich einfach etwas über die Fahrt an sich, das Land, die unglaublich freundlichen Leute und von all der Hilfe, die wir unterwegs erfahren haben. Begonnen haben wir in Scey sur Saône, einem sehr kleinen Ort nahe des Flusskilometer 356. Wie der Zufall spielt, spricht uns beim Beladen eine ältere Frau an. Sie kennt den RaW, hätte früher bei uns gerudert und sei vor 7 Jahren nach Scey gezogen.

Sie erklärt uns, dass wir in den nächsten 50 km keinen Supermarkt mehr treffen werden, woraufhin wir uns spontan entschließen vor der Abfahrt einzukaufen. Freundlich, wie sie ist, begleitet sie uns zum Ortsmarkt, hilft uns bei den leichten Sprachdefiziten und fährt hinterher unsere Einkäufe mit ihrem Auto zu den Booten.

Am zweiten Tag, auf dem Weg nach Gray, haben Gepäckberg wir wieder besondere Erlebnisse. Seien es die beiden Motorbootjachten, die uns 18 frierenden, vom zweieinhalb stündigen Regen durchnäßten Wesen vom Boot aus mit warmem Kakao, Tee und Kaffee versorgen oder der Schleusenwärter, der sich eine Stunde nach offiziellem Betriebsschluss überreden lässt, noch mal die Schleuse zu bedienen. Müde und glücklich stoppt uns letztlich die Stadtschleuse Gray. Der Ruderklub, in dem wir nächtigen wollten, liegt entgegen der Wasserkarte 1,5 km weiter flussabwärts. Im RK Gray ist man auch sehr freundlich, eine Lösung für das Problem ist schnell gefunden. Ein Herr im Alter von vielleicht 35 fährt mit seinem Renault Espace 3-4 mal unser gesamtes Gepäck hin und her. Den darauffolgenden Pausentag können wir gut gebrauchen.

Nun geht es Richtung Pontailler. Eine Mandelentzündung eines Kindes zwingt mich an einem Sonntag zunächst eine Klinik und danach eine geöffnete Apotheke anzusteuern. Auf der Suche nach einer Apotheke frage ich eine ältere Dame nach dem Weg und wieder erlebe ich französische Gastfreundschaft. Die Dame verabschiedet sich kurz von ihrem Ehemann, lädt mich in ihr Auto, fährt mal eben 6 km zur Apotheke, schreibt dort die Nummer des Bereitschaftsdienstes auf, fährt mit mir zu sich nach Hause, ruft den Bereitschaftsdienst an, wartet mit mir bis dieser eintrifft und mir die Medikamente verkauft hat und bringt mich danach zurück zur Gruppe. Ich bin baff.

Das ist alles im Grunde so unglaublich wie der Campingplatzwart in Auxonne, der seine Frau und Tochter nebenbei anweist ein anderes Kind unserer Gruppe und mich zum 35 km (eine Richtung !) entfernten Arzt und wieder zurück zu bringen. Der gleiche Mensch erlaubt uns, da wir aufgrund der verringerten Gruppengröße nun mit Landdienst und weniger Booten weiter fahren, den Bootshänger abseits des normalen Parkplatzes umsonst auf einem privat umzäunten Gelände unter zu stellen, der Sicherheit unseres Materials wegen.

In Seurre scheint ein Aussetzen der Boote unmöglich, eine zufällig vorbeilaufende Dame bietet uns nicht nur ein Quartier an, was Gruppenbild wir in Hinblick auf den bereits bezogenen Campingplatz dankend ablehnen, sondern erlaubt uns die Boote in leeren Motorbootboxen fest zu machen. In Charlon, einer Stadt mit gut 200.000 Einwohnern, fragt der Landdienst einen Mann nach dem Weg zum Ruderverein. Er bietet uns nicht nur an, hinter ihm her zu fahren und geleitet uns sicher durch die engen Gassen der Stadt, nein, er ist auch zufällig genau der Mensch, den wir eigentlich erst 4 Stunden später just in diesem RK hätten treffen sollen, um uns zu empfangen und einzuweisen.

Am Endpunkt unserer Reise, Lyon, flaggt der Präsident des dortigen RK sogar die Deutsche Fahne, die bis zu unserer Abreise stolz zusammen mit der französischen an einem Mast hängt. Auch hier wurden wir mehr als herzlich aufgenommen und schliefen im dritterfolgreichsten Verein Frankreichs im holzverkleideten Ehrensaal, umsonst, versteht sich. Und so bleibt neben all dem Ärger, den es auf der Fahrt gab, zu resümieren, dass das Land wunderschön ist und die Franzosen uns unglaublich, beinahe beängstigend freundlich und hilfsbereit gegenüber standen. Lang lebe die Saône, lang lebe Frankreich.

Tom Stargardt