Jung-RaW Sommerwanderfahrt 2006 auf der Elbe
Vorbemerkung an die Teilnehmer
Es fehlen noch Tages-Berichte! Die Liste hängt im Klubhaus aus. Schreibt schnell, es geht sonst eine Menge Erinnerung verloren und das wäre extrem schade!
Axel Steinacker
03.08. Hinfahrt oder „On the road again“
In den riesigen Eingeweiden des neuen Hauptbahnhofes aus Stahl, Beton und viel Glas verborgen, wirkte die Menschengruppe von 25 Leuten in Relation zu ihrer überdimensionierten Umgebung etwas verloren. Die Fahrkarten waren gezückt und die Rucksäcke und Taschen gepackt: alles war bereit, sich wieder einmal auf eine lange und in ihren Erwartungen hoffentlich schöne Wanderfahrt zu begeben. Doch zuvor galt es, eine lange Bahnreise ohne Verlust von Gepäck zu überstehen. Nach mehrmaligem Umsteigen und hektischem Packsäcke und wasserfeste Taschen stapeln, hatte man nun das Ziel der Bahnreise und Gleichzeitig den Ausgangspunkt der Wanderfahrt erreicht, Dresden.
Von hier aus sollte es also nur durch deutsche Länder 580 km gen Norden nach Hamburg gehen. Zuerst einmal standen allerdings die üblichen Formalitäten an, die sich bei einer Wanderfahrt ergeben, also Boote aufriggern, Gepäck schleppen (was man von der Bahnfahrt noch vollkommen inne hatte) und der ganze Rest, der uns lange Zeit davon abhielt, die schöne Seiten von Dresden kennen zu lerne. Erst zum Nachmittag hin nutzten viele noch die sich bietende Gelegenheit und erfreuten sich der großartigen Kulturgüter Dresdens, wie zum Beispiel dem Zwinger, der Frauenkirche oder für manche auch einfach nur der Supermarkt um die Ecke… Und da viel frische Luft und Kultur bekanntlich Hunger schafft, fanden sich alle wieder vollzählig um den, von der Kochgruppe mit so viel Mühe entfachten, Grill ein. Nachdem wir die Würstchen verspeist hatten, genossen nur noch wenige das unglaubliche Sonnenunterganspanorama, das die aufreißende Wolkendecke für uns erzeugt hatte und diesem ersten Tag ein passendes Ende schenkte.
Fabian Böhm, Marius Brunzel, Karim Ben Lassoued
04.08. Los geht‘s
Morgens 6:00 Uhr in Dresden. Man hört eine liebliche Stimme „Aufstehen“ rufen. Alle kommen langsam und schläfrig aus ihren Zelten gekrochen. Nach einem nassen Zeltabbau und einem noch nasseren Frühstück, fingen wir an das Gruppen-, das Privat- und das Tagesgepäck zum Steg zu bringen.
Aufgrund des Niedrigwassers hatten wir einen recht langen Weg mit den Booten zum Wasser und auch der Steg machte einen sehr eigenwilligen Knick nach oben. Schon mal den Kiel der „Wannsee“ von unten betrachtet? Nein ? Dieses Vergnügen hatten alle, die das Boot ins Wasser getragen haben. Die Elbe strömte nicht so stark, wie es die Einwohner vielleicht gewohnt waren, dennoch war es genug Strömung für alle, die noch nie auf einem strömenden Gewässer gerudert waren. Nachdem man erst ewig die Elbe herunter getrieben war (um auf die Wannsee zu warten) ging es dann wirklich los. Dachten wir zumindest. Zuerst einmal trieben wir weitere 5 Kilometer. Dann gab es eine Pause für die völlig erschöpften „Ruderer“. Die Boote verhielten sich durch die Strömung ganz anders. Brückenpfeiler kamen schneller heran, als man dachte, und auch die so genannten Tarnbojen tauchten schnell und unerwartet neben uns auf. Nach einem „relativ“ problematischen Anlegemanöver in Risa vor einer Fähre, hieß es dann: Boote ausladen und rausnehmen. Nach einer Weile, in der Markus alles mit dem Kanuclub klärte, konnten wir dann endlich unsere Zelte aufbauen. Nach dem Duschen, Milchreis essen, Doppelkopf spielen und Quatschen hieß es dann ab in die Betten.
Niklas Schilling, Lukas Chotjewitz. und Merlin Engels
05.08. „Viel zu viel Wetter“
Nachdem wir gestern im Sonnenschein in Risa angelegt hatten, „durften“ wir heute mit Aussicht auf dicke Regenwolken die 48 km nach Torgau in Angriff nehmen. Nach einer bis dahin weitgehend trockenen Fahrt entschlossen sich die Regenwolken kurz nach der Hälfte der Strecke die Berliner da unten auf der Elbe mal bis auf die Knochen zu durchnässen.
Der Regen wurde immer heftiger und viele bekamen schon den Eindruck, die Etappe im strömenden Regen beenden zu müssen. Doch irgendwann hatten sich die Wolken fertig entladen und wir hielten an, um uns trocken anzuziehen. Hierbei sahen wir, trotz immer noch anhaltendem Niedrigwasser, die ersten tschechischen Frachter die Elbe hinauftuckern. Nachdem alle halbwegs trocken angezogen waren, wurde weitergerudert. Wir bekamen noch einmal ein bisschen Regen ab, blieben aber einigermaßen trocken. In Torgau angekommen, bekamen die Wolken plötzlich den Eindruck, dass wir noch nicht nass genug seien. Es regnete schon wieder, als die Boote fertig ausgeladen waren. So durften wir in einem der Räume des Torgauer Rudervereins übernachten. Für so gut wie völlig durchnässte Ruderer fast die Erfüllung aller Träume. Nachdem wir Nudeln mit Chilli con Carne gegessen hatten, fielen die meisten schon erschöpft ins Bett.
Benoit „Tio“ Dumas
06.08.
Risa - 06:00 Uhr aufstehen, zusammenpacken, frühstücken und den allmorgendlichen Kram erledigen. Logischerweise wurde auch unser Schlafraum gewischt, denn irgendwie hatten wir doch Dreck hinterlassen, obwohl Schuhe dort verboten waren. Während einige sich noch fertig machten, hörten die anderen Radio, also den Wetterbericht. Es sollte regnen, regnen und noch mal regnen.
In manchen Teilen von Sachsen drohten Überschwemmungen, daher mussten wir nach Sachsen-Anhalt fliehen, was wir dann auch sofort taten. Mit noch trockenen Klamotten machten wir uns auf den Weg. Nach 57,5 km, viel Regen und vielen Gierseilfähren auf der langen Fahrt, kamen wir doch auch endlich an unser Ziel. In der Lutherstadt Wittenberg freuten wir uns echt über den nicht untergehenden, langen Steg und den bevorstehenden Pausentag. Erst dachten wir, das wir zelten würden, aber als wir dann erfuhren, dass wir nicht in Zelten, sondern in einem Raum im zweiten Stock schlafen durften, waren alle überglücklich. Jetzt wurde nur noch geduscht und Linsensuppe gegessen. Dann war irgendwann schlafen angesagt.
Lucas Dittmann und Jacqueline Pötsch
07.08.
Wir begannen unseren Pausentag in der Lutherstadt Wittenberg mit einem reichhaltigen Frühstück (Brötchen). Nach dem Frühstück gingen die Kochgruppen einkaufen, der andere Teil der Gruppe ging in die Stadt, außer Lucas, Jaqueline und Philipp, die noch, in aller Ruhe, über ihr Verhalten von gestern nachdenken sollten. Wir sahen uns das Lutherhaus und die Kirche an. Manche wuschen bei dem wunderschönen Wetter auch ihre Sachen oder ruhten sich aus. Gegen 18:15 Uhr mussten wir wieder im Verein sein.
Um 19:00 Uhr kam die Überraschung: wir gingen gemeinsam in die Stadt. Viele vermuteten, dass wir Essen gehen würden. Als wir in einen Hof kamen sahen wir Schorschi´s Eltern und Christoph Paul, die aus Berlin angereist waren. Riesen Überraschung! Alle freuten sich. Es gab Spannferkel, Kartoffelsalat, Tomaten-Mozarella, Kuchen und Pudding. Wir bedankten uns, verabschiedeten die Familie Kapella und gingen früh schlafen.
Georg (Schorschi) Kapella
10.08.
Neben dem alltäglichen frühen Aufstehen gab es an diesem Tag etwas Besonderes. Lucas Ditmann, unser Chaot, hatte Geburtstag! Er bekam sofort einen Kuchen in die Hand gedrückt und viele Glückwünsche dazu. Beschenkt wurde ihm ein T-Shirt, das am vorigen Abend noch schnell besorgt wurde, auf dem „fauler Sack“ stand.
Trotzdem musste er gleich nach dem Aufstehen zum „Frühstück-machen“ gehen. Nachdem wir dieses gemütlich hinter uns gebracht hatten, kam Bewegung in die Gruppe. Wir mussten die Boote zu Wasser tragen. Das war gar nicht so einfach, wie es klingt. Man musste die Boote eine lange zugewachsene Treppe hinuntertragen. Auf dieser Etappe gab es die einzige, ein klein bißchen aufregende Stelle, als wir den Magdeburger Domfelsen passierten. Wie die anderen, wartete auch mein Boot vergeblich auf ein grünes Signal der Ampel kurz vor dem Felsen. Wir fuhren schließlich wie die anderen Boote (wenn auch eigentlich nicht im Sinne des Ampelerfinders) bei Rot. Leider konnte man den Felsen nicht sehen, weil er sich unter Wasser befand. Auf dem Weg nach Tangermünde, wo wir uns auf einen Pausentag freuen durften, machte mein Boot einfach so aus Spaß ein Rennen gegen einen Dampfer, der ebenfalls auf dem Weg nach Hamburg war. Wir hielten starke 4 km lang durch, im gleichem Tempo wie der Dampfer zu fahren. Am Ziel einer sehr langen Etappe, kamen wir in einem schicken Klubhaus in Tangermünde an. Nach einem leckeren Abendessen (Kartoffeln und Quark) durften wir in einem Sportraum im Klubhaus übernachten.
Niklas Schilling, Lukas Chotjewitz. und Merlin Engels
11.08.
Heute ist Ruhetag in Tangermünde. Die meisten standen etwa eine halbe Stunde später auf, als in Wittenberg. Nach einem zwecks Kartoffelverbrauch von Jakob Kieschke gekochten warmen Frühstück, wuschen einige ihre Sachen oder ruhten sich aus.
Eine Abteilung war auch einkaufen. Danach durften wir in die Stadt – Tangermünde war im Mittelalter eine Stadt, die damals mit Berlin verglichen werden konnte. Tangermünde war lange Zeit eine der letzten westlichen Stützpunkte der Oststämme. Auf einer Turmführung wurde uns erzählt, dass Tangermünde fast Hauptstadt geworden wäre. Die örtlichen Regenten wollten die Biersteuer erheben, was die Tangermünder so aufregte, dass sie eine Demonstration größeren Ausmaßes anzettelten. Da gerieten die Adeligen angeblich in Angst und zogen sich nach Berlin zurück, um Berlin zur Hauptstadt zu machen. Tangermünde hat noch eine Stadtmauer, viele interessante Backsteinbauten, sowie noch gut erhaltene Fachwerkhäuser. Nach einem sehr leckeren Abendessen (wieder von Jakob) blieben einige noch draußen sitzen. Die jüngeren veranstalteten im Schlafsaal eine „Knicklichtschlucht“. Kurz zuvor hatten es noch einen lange andauernden Stromausfall gegeben. Alles in allem ein ganz lustiger Tag.
Benoit 'Tio' Dumas
14.08.
Morgens 6:00 Uhr in Dömitz. ‚Guten Morgen, Guten Morgen, aufstehen… Frühstücksgruppe‘. Das allmorgendliche Schaffen setzte unter dem ersten Sonnenstrahl ein. Wir frühstückten, kauften ein, suchten unser Zeug zusammen und setzten dann endlich die Boote ins Wasser.
Voll gepackt, wie wir nun waren, passierten wir noch schnell die Schleuse, die uns von der Elbe und unserer Weiterfahrt trennte. Uns stand eine Etappe von „schlappen“ 50 km bevor, was in allen Booten eine lässige Stimmung hervorbrachte. Man ließ sich treiben, spielte Spielchen mit fremden Kleidungsstücken und ließ sich auch nicht vom plötzliche einsetzenden Regen stören. Als der jedoch stärker wurde, beeilte man sich doch seine Regensachen anzuziehen und sich ein bisschen zu sputen, um das Tagesziel zu erreichen. Dieses lag bei Elbe-Kilometer 555 und war der Campingplatz Hein & Hein. Als sich zum Regen auch noch Kälte gesellte, fieberte man schon richtig der Ankunft entgegen. Endlich angekommen, war der Empfang warm, was vor allem am netten Platzwart lag, der zwar nicht Hein hieß, aber dennoch seinen Tracktor mitbrachte, um unser Gepäck über den Deich einen Kilometer zum Campingplatz zu bringen. Für unsere nassen und sandigen Körper gab es eine warme Dusche und die dazugehörige Kleidung konnte in einer Scheune aufgehängt werden. Um einige Sorgen leichter, sammelten wir uns unter einer trockenen Veranda, wo es Chilli con Carne und Tee gab, was diesem nasskalten Tag doch noch zu einem warmen Ende verhalf.
Johannes Daum, Maxime Hähnel, Marck Kabbe, Alioscha Coe
17.08.
Wir brachen heute aus Geesthacht zur 40 km langen, letzten Ruderetappe dieser Wanderfahrt auf. Als erstes galt es unsere 6 Boote zusammen mit 4 Frachtern und 5 Motorboten in die riesige Geesthachter Schleuse zu bekommen. Das klappte hervorragend und so erreichten wir in der geplanten Zeit die Trennung in Süder- und Norderelbe bei strahlendem Sonnenschein.
Kurz darauf erblickten wir Hamburg und bogen in einen Kanal ein, über den ein beeindruckendes Eisenbahnnetz lief. Plötzlich tauchten links und rechts Wasserberge auf. Die „La Jeunesse“ musste schon bald feststellen, dass diese Wasserberge faseriger Kanalgrund waren, die bei dem ablaufenden Wasser der Tide unheimlich neben uns auftauchte. Wir fuhren auf dem ältesten Hamburger Kanalbecken an der Lagerstadt vorbei. Die Industrie und der Kanal, der kaum noch Wasser führte, machte einen fürchterlichen Eindruck. Nach längerer Wartezeit wurden wir durch die Schaarter- sowie die Rathausschleuse auf die Alster geschleust. Jetzt erlebten wir Sightseeing pur in der Hamburger Innenstadt. Wir kamen schließlich zur RG Hansa. Am dortigen Steg herrschte ein so reger Ruderbetrieb, dass es sich als Kunststück herausstellte, die Boote durch die Ruderer und die anderen Boote hindurch zu balancieren. Als endlich alle Boote draußen waren, gab es von der Kochgruppe etwas lustlos gekochte Nudeln mit Tomatensauce. Danach hatte man in der Abendsonne und später im Dunkeln einen herrlichen Blick auf das Panorama der Hamburger Innenstadt. Sehr beeindruckend.
Benoit 'Tio' Dumas
