Sommerwanderfahrt (14. - 30.8.) auf der Donau
oder JUNG-Ruderer auf Wanderfahrt
Die Wanderfahrt auf der Donau, welche von Regensburg über Straubingen, Passau, Linz, Melk bis Wien führte, war wieder ein riesiges Erlebnis für alle Fahrtenteilnehmer. Das doch recht gute Wetter, die sehr schöne Strecke, spannende Erlebnisse und eine gut funktionierende Gruppe führten dazu, dass alle Teilnehmer am Ende der Fahrt auf anstrengende, aber schöne Wochen Wanderfahrt zurückblicken konnten.
An dieser Stelle danke ich meinen Mitorganisatoren Fabian Böhm und Karim Ben-Lassoued, die mir sehr geholfen haben, diese Wanderfahrt zu einem Erfolg werden zu lassen.
Mögen die folgenden Berichte einen Eindruck der Stimmung auf der Fahrt vermitteln.
Christop Paul
Tagesbericht 14.8.
Dies ist „24-Wanderfahrt”. Dieser gesamte Bericht wurde in Echtzeit verfasst.
8.30 AM: Das Kommando mit dem Decknamen „Bahnfahrer” sammelt sich übermüdet am Zielobjekt Hauptbahnhof.
8.32 AM: Das Kommado mit dem Decknamen „Busfahrer” schläft tief und fest.
8.58 AM: Sonderkommandoführer „Toffi” dirigiert die „Bahnfahrer” mit ihren speziell für den Einsatz „Sommerwanderfahrt” angefertigten wasserdichten Packsäcken in den Zug Richtung Regensburg.
9.00 AM: Das Sondereinsatzkommando „Busfahrer” drückt derweil auf seinem Wecker verschlafen die Nachwecken-Taste.
9.30 AM: Nachdem sie ausführlich gefrühstückt haben, hetzen die „Busfahrer” zum Treffpunkt im RaW, um sich mit dem vertrauenswürdigen Fahrer zu treffen, der sie und das „Spezialgerät” auf dem Bootshänger ebenfalls nach Regensburg bringt.
2.30 PM: Ankunft des Sondereinsatzkommandos „Bahnfahrer” im Großraum Regensburg:
3.30 PM: Die Verstärkung, verkörpert durch Moritz K., stößt zur Truppe hinzu.
4.00 PM: Einsatzleiter „Toffi” organisiert einen Truppentransporter der öffentlichen Verkehrsmittel, um seine Truppe zum Regensburger Ruderklub zu bringen.
4.30 PM: Kommando „Busfahrer” trifft ohne nennenswerte Zwischenfälle ebenfalls in Regensburg ein.
4.32 PM: Die „Busfahrer” sind zuerst verwirrt. In einem Haus befinden sich zwei Rudervereine.
Was sollen sie tun? Das Treffen mit dem lokalen Koordinator des RRK wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
5.00 PM: Kommando „Bahnfahrer” stößt zum Kommando „Busfahrer”. Vereinigt sichern sie das Gelände, klären die Lage und entladen und riggern das „Spezialgerät”.
6.00 PM: Beide Kommandos trainieren bei Volleyball, Fußball und Schwimmen für den kommenden, 2 Wochen andauernden Einsatz auf der Donau. Parallel organisiert die eben gegründete Eingreiftruppe „Kochgruppe” das Abendessen in Form von Chilli con Carne.
7.00 PM: Das Ziel für das Abendessen („Topf vollständig leermachen”) ist erfüllt und die Verantwortung für das weitere Vorgehen wird an den Einsatzleiter der „Spülgruppe” übergeben.
9.00 PM: Die gesamte Truppe entsichert ihre Schlafsäcke und schläft auf Kommando ein.
9.30 PM: Verfasser und Protokollführer schließen die Kladde und erwarten den morgigen 1. Einsatz.
Wie es weitergeht, erfahren sie in der nächsten Folge von „24-Wanderfahrt”...
aus den Geheimarchiven der Betreuer
15.8. Regensburg - Straubingen (53 km)
19 Kinder und Betreuer wachten am Morgen des 15.8. mit freudiger Erwartung auf einen tollen Start der Wanderfahrt auf. Schließlich hatten wir am Anreisetag gutes Wetter und waren am Abend sogar schwimmen gewesen. Dennoch wurde dieser Erwartung leider ein kleiner Dämpfer versetzt, denn es regnete!
Nachdem Björn Budde den schlafenden Rest der Truppe mit einem nervigen Techno-Mix weckte und alle das relativ miese Wetter realisierten, wurden als erstes die Handtücher gerettet, die noch ursprünglich zum Trocknen auf dem Balkon hingen.
Nun, ich möchte ehrlich sein, die Stimmung war dem Wetter entsprechend nicht die größte und einige alte Hasen bekamen bereits Angst vor einem déjà-vu der total verregneten Wanderfahrt auf der Elbe 2006.
Nach Frühstück und erstmaliger Einweisung der „Dödel” ins Packen der Bootsverpflegung und der Obmänner ins „Obmänneln“, die es auch in der Variation der „Ob-Dödel” in Form von Björn an diesem Morgen gab, mussten alle gleich kräftig mit anpacken. Es galt die Boote ins Wasser zu bringen. Dies gestaltete sich aufgrund des für Wanderfahrtverhältnisse schon ins absurd luxuriöse gehenden, langen Steges relativ einfach.
Nach einstündiger Beladung der Boote, bei äußerst unangenehmem Nieselregen, gelangten wir nach kurzer Fahrzeit auf der erstaunlich schwach fließenden Donau an die erste der drei Schleusen auf der Tagesetappe. Nach einem erstmaligen Schleusenvorgang (inklusive 20 Minuten Wartezeit) von einer Dreiviertelstunde, gab es wenig später leider schon den ersten kleinen Bootsschaden der Wanderfahrt zu melden: Ein Knacks im Deutschland-Skull beim Überziehen. Das Bootsmaterial war scheinbar nicht auf solch starke Ruderer eingestimmt gewesen. Nach weiteren 2 Stunden bei mehr und mehr strömenden Regen, hörte dieser plötzlich auf und ein ebenso plötzlich aufkommender, starker Rückenwind wurde vor allem von der Mannschaft der Wannsee fürs Segeln genutzt.
Nach den restlichen 30 km bei überwiegend trockenem Wetter, erreichten „Pisch-Patsch-Nasse” Ruderer, die Lieder von Zementsäcken sangen, mit ihren durchgefrorenen Steuermännern, den ersten Leistenproblemen und einer unter Kopfschmerzen leidenden Wanderfahrtmami (Christoph Paul) den Ruderklub von Straubingen. Dort gab es ein relativ großes Klubhaus, allerdings auch eine tückisch hohe Treppe zum leicht unter unserem Gewicht versinkenden Steg hinunter, wo es wahrlich eine Kunst war, die Boote unbeschadet und den Ruderer beim Herausnehmen der Kähne trocken zu lassen.
Gleich nach der Ankunft wurde die Kochgruppe zum Zubereiten der Nudeln mit Schinken-Sahne-Soße für wahrlich hungrige Ruderer abgestellt.
Nach Einnahme der Speise in einem gemütlichen Essensraum des Gebäudes, ging es für alle nach einer warmen Dusche so rasch wie möglich in den gemütlichen Schlafsack.
Welch ein Glück, dass wir die Nacht nicht unter freiem Himmel schlafen mussten, dachten die einen bereits, während Rudi (Jakob Spring) noch Hornissen aus dem Schlafraum jagen musste.
Max Fenner, Vincent Gill, Merlin Engels, Lukas Chotjewitz
20.8. Hellbach – Linz (44 km)
Ich erwachte, die Zeltwände bebten, der Regen pladderte auf das Zeltdach. Mein erster Gedanke war: weiterschlafen, das da draußen existiert nicht und morgen, wenn du aufstehst, dann scheint die Sonne. Doch da waren Stimmen zu hören. Kai Moschick, Toffi (C. Paul), Björn, Tio (T. Dumas).... ist die ganze Gruppe wach? Sind die Zelte voll gelaufen oder eingestürzt? Wie lange steht unser Zelt noch?
Die Gruppe war erwacht und spannte Zelte erneut ab, das Mädchenzelt (nach der Bauweise: ziehe an zwei Schnüren und ich bin fertig) hatte ordentlich gelitten unter dem starken Wind, aber alle Zelte waren zumindest noch trocken...
Folglich legte sich die Aufregung und alle wanderten langsam wieder in ihre Schlafsäcke (es war nämlich erst etwa 1 Uhr nachts).
Am nächsten Morgen war alles ruhig in dem kleinen Örtchen Hellbach, der Wind und der Regen hatten sich gelegt und die Gruppe entwickelte wieder ihre allmorgendliche Dynamik. Die Silberkisten wurden geöffnet, Brot und Salami wurde geschnitten sowie Müsli im kleinen Topf gemischt. Die 19 hungrigen Ruderer stürzten sich dann auch sogleich darauf. Die Zelte wurden kontrolliert zum Einsturz gebracht und zusammen gepackt, wie alles andere in der Wiese vor dem Gasthof auch.
Die Orangerie bildete die Vorhut des heutigen Tages, sie sollte vorfahren und Schwimmwesten organisieren, da wir erst kürzlich zuvor erfahren hatten, dass in Österreich in den Schleusen eine Tragepflicht dafür herrscht.
Das „Powerboot” legte um 8 Uhr ab und war gut 2 Stunden später an der ersten österreichischen Schleuse, an der es gleich ans „Umtragen“ ging. Die Staustufe, wie auch die nächsten, wurden so erfolgreich überwunden. Den folgenden 4 Schiffen gelang es hingegen mit der „Unwissensheits-Masche“ durch die erste und mit sehr viel Wehklagen und Bitten auch durch die zweite Schleuse ohne Umtragen zu kommen.
Zwischendurch trafen wir noch Mike Starke, den Vater von Sophia, sowie unsere beiden Nachrücker für die Wanderfahrt, Svenja Budde und Jacqueline Pötsch, die wir eigentlich im Ruderklub in Linz erwartet hatten.
Nach der letzten Schleuse war es glücklicherweise nur noch ein kleines Stück die Donau entlang, bis sowohl Powerboot als auch die restlichen 4 Vierer ihr Ziel erreicht hatten. Im Ruderklub gab es Tortellini mit roter Soße als Abendbrot und eine warme Dusche, um diesem Tag eine schöne abschließende Note zu verleihen. Der Schlaf in den Zelten tat das restliche dazu.
Laura Botschen, Kai Moschick, Jana v. Bismarck & Sophia Starke
Anmerkung zum 20.8.
Die Regelung über die Schwimmwestentragepflicht wurde in Österreich erst vor Kurzem eingeführt, so dass wir nicht schlecht staunten, als uns die deutschen Schleusen auf einmal vor ihr warnten. Aber so sehr neue Regelungen auch ein Krampf sein können, so sehr können sie einem auch helfen. Trotz der stolzen Anzahl von über 10 Schleusen auf österreichischer Seite mussten wir insgesamt nur an 2 umtragen, während der Rest der Schleusenwärter einen eher lockeren Umgang mit den neuen Richtlinien bevorzugte, oder einfach ihre Brieftauben in der letzten Zeit noch nicht gelesen hatten. So fanden auch unsere auf die schnelle organisierten 4 Schwimmwesten für alle Boote kaum eine Verwendung.
Die Fahrtenbetreuer
21.8. Linz – Grein (59 km)
163 Säcke Zement und 55 Kästen Bier
Nachdem wir gestern Nacht noch von Sturm und Regen am Ausruhen gehindert worden waren, konnten wir heute nach einer doch relativ ruhigen Nacht aus den Zelten kriechen. Obwohl wegen der heute zu absolvieren 59 km eigentlich Eile angemahnt war, verlief das übliche Morgenprogramm doch eher ruhig.
Auch nach dem Ablegen ließen wir es gemütlich angehen. Wir trieben von Puchenau, dem leicht außerhalb von Linz liegenden Stadtteil, wo der RV Wiking Linz beheimatet ist, bis fast durch ganz Linz. Die Stadt liegt sehr malerisch in einem Tal, umringt von idyllischen Bergen inklusive kleiner Bergdörfer. Gestört wird das Bild leider durch einige Wohnburgen und Schwerindustrie-Anlagen. Nachdem wir auch diese hinter uns gelassen hatten, waren wir schon recht bald an der ersten Schleuse angelangt. Und es bewahrheitete sich, was als Gerücht schon vor der österreichischen Grenze gemunkelt wurde.
Aufgrund eines neues österreichischen Gesetzes ist fest-gelegt, dass Ruderer in Schleusen Schwimmwesten tragen müssen. Am ersten Tag hatten wir Glück und gnädige Schleu-senwärter, heute entfaltete das böse U-Wort, gemeint ist umtragen, seinen ganzen Schrecken. Wobei wir an der ersten Schleuse noch Glück hatten, da uns nette Motorbootfahrer noch zusätz-liche Schwimmwesten liehen. Irgendwo hatten die Betreuer bereits 4 Schwimmwesten aufgetrieben, so dass wenigstens unsere schweren Boote Wannsee, Vier Muskeltiere und Ernst Schering geschleust wurden. Die Orangerie und die Boden-werder mussten trotzdem umtragen werden.
Das gute Wetter wirkte sich allerdings stimmungssteigernd auf die ganze Gruppe aus, so dass auch die einzelnen Bootsmannschaften teilweise sehr gut gelaunt waren. Vor der ersten Schleuse stellte die Mannschaft der Bodenwerder den Rekord im Singen des Ablegers „Kasten Bier” des Wanderfahrtenklassikers „Sack Zement” auf, und verbesserten ihn somit von 135 auf 163. (Anmerkung d. Red.: Melodie dazu ist „When the saints go marching in“)
An der zweiten Schleuse wurde wieder umtragen, aller-dings diesmal auch die Ernst Schering. Das Glück im Unglück war, dass wir nicht an der ganzen Schleuse vorbei mussten, sondern an beiden Schleusen in nahen Donau-Altarmen wieder einsetzen konnten. Interessant genug blieb der Spaß trotzdem: Bei der ersten Schleuse mussten die Wannsee, die Vier Muskeltiere und die Ernst Schering mit dezimierter Besatzung von nur 2 Ruderern, aber mit zusätzlichem Gepäck aus den anderen Booten, einen 1,5 km langen Altarm hochrudern. Bei der zweiten Schleuse nahmen die Mannschaften von Schering, Orangerie und BW 1-2 Ruderer aus den geschleusten Booten 2 km auf einem weiteren Altarm mit. Die entsprechenden Mitfahrer werden diese Tour, im äußersten Bug zwischen Geschirrkisten hängend, wohl so schnell nicht vergessen.
Nachdem alle „Nachwirkungen” der zweiten Schleuse überwunden waren, war es 18:45 Uhr und es standen „nur” noch 15 km auf dem Programm. Nun begann der „Powerteil“ der Etappe. Die 15km wurden fast ohne Pausen durchgerudert. Trotzdem kamen wir erst um 21 Uhr mit der einsetzenden Dämmerung in Grein an. Es dauerte noch eine Weile, bis Toffi den Zeltplatz in der immer dunkler werdenden Umgebung gefunden hatte und die Boote aus dem Wasser waren. Nach Pellkartoffeln und Quark wandelten wir fast schon im Schlaf in die Zelte und träumten vom morgigen Pausentag.
Tio Dumas, Jannis Dettloff, Christophe Dumas, Christian Spring & Moritz Kircher
