Pfingstwanderfahrt des Jung-RaW (oder: Auf Spree und Dahme unterwegs)

1. Tag:

Nach umfangreichen Vorbereitungen, Kartenstudien und Besichtigung vor Ort, sowie tonnenschweren Einkäufen machten wir uns am Freitag vor Pfingsten schließlich mit 21 Kindern bzw. Jugendlichen und 5 Betreuern auf den Weg, Spree und Dahme auf dem Wasserwege zu erkunden. Vor das Rudern hatten BVG und Deutsche Reichbahn allerdings eine langwierige Anfahrt gesetzt. Ein heißer Tag - die mitgebrachten Getränkeflaschen waren bald leer. Dann noch ein langer Fußmarsch mit Gepäck vom Bahnhof Hangelsberg bis zur Einsatzstelle, und gerade, als man Erfrischung in der Spree suchte, war auch schon Jürgen Kleiber mit dem Hänger da, der schnell entladen werden mußte. Gepäck und Zubehör war schließlich gleichmäßig auf die Boote verteilt, die ersten stachen "in See" - da hörten wir von Einheimischen, daß flußab wohl eine Baustelle sei, weil da wohl eine Gasleitung gebaut würde. Das war nicht eingeplant ! Aber mal sehen ... und wir sahen: eine Behelfsbrücke über den Fluß, der Unterbau aus Spundwandteilen, zwischen denen das Wasser wehrartig nach unten schoß - für Fische gerade so passierbar. Die Umtrageaktion kostete uns viel Zeit und Schweiß ! Sehnsüchtig zählten wir nun die Kilometer bis zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Landdienst. Der Durst wurde größer und größer, die Strecke nahm einfach kein Ende - da hatte man kaum noch Augen für die idyllische Landschaft und die blauschillernden Libellen, die die Boote begleiteten. Aber endlich sichteten wir die Begleitgruppe, und Gunnar und Zetti stürzten sich in die Fluten, um uns mit den herbeigesehnten Getränken zu versorgen. Trinkpause ! Frisch gestärkt ruderten wir das letzte Stück bis zum Dämeritzsee, wo wir beim SV Wasserfreunde Erkner unser Nachtquartier aufschlugen, nachdem sich alle Zelte wieder angefunden hatten. Wir galten als die große Attraktion, jeder wollte uns helfen, es war einfach toll ! Schließlich grillten wir noch ein wenig und gingen dann bald ins Bett !

Anne Germelmann

2. Tag:

Morgens um 8 Uhr gingen die ersten,um den Badeofen anzuheizen. Das Heizen nutzte aber nichts, nach 5 Leuten war das Wasser wieder kalt, und die letzten mußten kalt duschen. Das Frühstück wurde dann, wie sonst auch, mit Brot-, Käse- und Wurstschneiden sowie dem Tee kochen begonnen. Um 11 Uhr waren wir dann auf dem Wasser, wo wir vom Dämeritzsee direkt in den Gosener Graben fahren konnten. Dieser Graben ist sehr lang (3 Kilometer), eng und kurvenreich - ein Kompliment an die Steuerleute, besonders an Gunnar, der sein Boot so geschickt um die Ecke "sliden" ließ, daß nur noch mit dem Paddelhacken Dollenbruch zu verhindern war ! Schließlich trafen wir am Ende des Grabens noch die "Borke Böttcher", deren Mannschaft vom RaW gestartet war.

Über den Seddinsee passierten wir die Brücken in Schmöckwitz und Königswusterhausen, wobei die Brücke im zweiten Ort mit einer Bootsschleppe ausgestattet war - das dauerte natürlich seine Zeit. An dieser Stelle wartete auch der Landdienst, der uns mit Essen versorgen sollte. Leider hatte sich Philipp in der Zeit verschätzt, so daß ein Kartenspiel die eigentliche Vorbereitungszeit unseres Mahls in Anspruch genommen hatte. Da Margit durch ihren Heuschnupfen kaum noch die Augen auf, geschweige denn die Nase frei bekam, sprang Kathrin für sie ein. Philipp übernahm Alexanders Platz, der nun den Landdienst machte. Nach einer zweistündigen Pause fuhren wir über den Krüppelsee, in dessen Mitte uns starker Regen überraschte.

Nach einigen Brücken und einer heißen Jagd um die Fahne, erreichten wir schließlich das Gasthaus in Dolgenbrodt, an dem wir unsere Zelte aufschlagen durften. Der Landdienst hatte schon einige Kilo Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren geschält, wir konnten also bald mit der Zubereitung der legendären Kartoffelsuppe des Jung-RaW anfangen. Nach etwa 3 Stunden war die gutschmeckende Füllung für die Mägen dann auch endlich gar. Nachdem alle satt waren und das Geschirr abgewaschen hatten, gingen Gunnar, Zetti, Anne und Christian Schopp noch schwimmen. Dann verkrochen wir uns langsam, aber müde in unsere Zelte, soweit man "Zelt" sagen konnte. Philipps Schwester hatte nämlich versäumt die Zeltstangen einzupacken, so daß Philipp mit Hilfe einiger Zeltstangen, Schnüre und einer Plane eine zeltähnliche Lagerstätte errichtete.

Kathrin & Christian Zemaitat

3.Tag:

Bei schönem Wetter packten wir am frühen Morgen unsere sieben Sachen und fuhren von "Kuddels lustiger Stube" - der Besitzer war übrigens kurz nach dem Krieg deutscher Meister im Zweier ohne - in Dolgenbrodt los. Schon auf dem Stück bis zur ersten Schleuse (ca. 2 Kilometer) begegneten uns viele Boote. Die weitere Strecke verlief auf der Dahme und führte uns an Weiden mit Kühen und Pferden vorbei. Nach der zweiten Schleuse entbrannte zwischen zwei Vierern ein heftiger Kampf um die Fahne, bei dem in jedem Boot nur noch zwei Leute zum stabilisieren und ausrichten saßen ... Auf der Hälfte der Strecke erreichten wir bei Märkisch Buchholz zwei Wehre, wobei wir am zweiten wieder mal auf den Landdienst und ein hervorragendes und deftiges Mittagessen stießen. Die Mittagspause wurde dazu genutzt den Wagen der Bootsschleppe wiederzufinden, den ein paar sehr intelligente Paddler in den Fluß hatten rollen lassen ... Die letzte Etappe verlief ohne große Probleme und so erreichten wir nach der Passierung zweier Schleusen, die im 90° Winkel zueinander liegen, und der Überquerung des Sees den total überfüllten Campingplatz. Trotz der Menge Menschen haben uns die Mücken beim Abendessen überfallen, es half kein Autan, es half kein Schlagen, der Tag voller Ereignisse und Mückenstiche ging zu Ende.

Antje Hoffmann-Steinweg & Andrea Brieger

4.Tag:

Nachdem wir aufgestanden waren, gefrühstückt und zusammengepackt hatten, beluden wir den Hänger, den uns Jürgen Kleiber für die Fahrt geliehen hatte. Der Rest wurde mehr oder weniger gerecht auf die Boote verteilt, worauf es in Richtung Spree losging. Die Zufahrt zu dem eh schon schmalen Fluß war so mit Reusen zugebaut, daß wir mit Ruder lang bei sehr starkem Seitenwind schon große Problem bekamen. Nachdem wir aber auch diese Hürde genommen hatten, kamen wir zur Schleuse in Alt-Schadow. Der Schleustakt von zwei Stunden trieb uns zur Eile. Die Schleuse selbst ist angelegt wie ein kleiner See, mit flachen Rändern, die sicherlich schon so manches Boot stranden ließen. Da Jürgen Kleiber an der Aussatzstelle nicht auf uns warten sollte und der Zug sicherlich auch nicht auf uns warten würde, war Eile gefordert.

Da hielt eine Bootsschleppe, die sonst immer der Erholung diente, nur auf. Für die restlichen 10 Kilometer hatten wir noch 1 1/2 Stunden Zeit; eigentlich kein Problem, doch die Arme wurden immer länger, die Augenlieder immer schwerer und die Boote schienen zu stehen. Schließlich hatten wir es geschafft, die Rocher Mühle war passiert und einen Kilometer später erwartete uns der Landdienst mit einer gedeckten Tafel, die aus Kisten bestand. Die Boote wurden schnell abgeriggert und verladen, worauf uns Gunnar in zwei Etappen, in einem geschlossenen Kastenbus, bei 30°C im Schatten (!) von Trebatsch zum 12 Kilometer entfernten Bahnhof fuhr ! Der Regionalzug brachte uns nach Königs Wusterhausen, dort nahmen wir die S-Bahn direkt nach Wannsee. Mit uns reiste der Kasi (Kassettenrekorder) ! In Wannsee mußten wir noch im strömenden Regen die Boote abladen,was aber das Erlebnis der fantastischen Fahrt nicht trübte.

Christian Praetorius