Sommerwanderfahrt 1994 - Das erste Mal auf der Donau

Dieses Jahr führte uns die Wanderfahrt in den Süden Deutschlands und nach Österreich, wo wir (zum ersten Mal) auf der Donau ruderten. Wir starteten am 9. August in Neustadt und fuhren bis Krems (ungefähr 70 km vor Wien), wo wir am 19. August ankamen, nachdem wir ca. 430 km rudernd zurückgelegt hatten. Den Rest der Zeit, bis zum 22. August verbrachten wir in Wien. Ein paar Berichte sollen hier einen kleinen Überblick über diese Fahrt verschaffen

Der 1. Rudertag (Neustadt - Regensburg)

Wir standen erst um 7:00 Uhr auf. Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir los. Die Fahrt ging durch einen Bach, der so eng und so stark mit Schilf bewachsen war, daß wir die Skulls gar nicht erst einlegten, sondern uns ganz und gar auf unserer Paddelkünste verließen. Als wir dann nach ca. 5 km und etwa zweieinhalb Stunden die Donau erreichten, hatte Annes Wannsee rund 30 Minuten Vorsprung, den die Mannschaft dann zum Einkaufen diverser Kleinigkeiten benutzte. Wir ließen uns große Teile der Strecke von der Strömung treiben (sehr bequeme Sache), und die Zeit verfloß schneller als wir es gewollt hatten. Wir stellten gegen 17:00 Uhr fest, daß wir noch Abendbrot einkaufen mußten, so daß die "Bodenwerder" mit einer starken Mannschaft besetzt wurde und noch eine Stunde Zeit hatte, um 15 km zu rudern und etwas eßbares zu kaufen. Trotz dieser Anstrengung gab es abends Nudeln mit Tomatensoße, weil die Läden dann doch geschlossen hatten, als die "Bodenwerder" ankam. Nach dem Essen gingen wir schlafen.

Tom Stargardt

Der 2. Rudertag (Regensburg - Straubingen)

Wir standen gegen 7:00 Uhr auf. Nachdem wir gefrühstückt hatten, legten wir ab. Wir hatten eine lange Etappe vor uns, mit ca. 62 Kilometern. Die Fahrt schien endlos zu dauern, zumal wir noch einen langen Rückstau und Gegenwind hatten. Wir ruderten an der Walhalla, einer Kopie eines griechischen Tempels, vorbei. Später kam eine Schleuse, an der wir umtragen mußten. Die "Kirona" ließ wieder auf sich warten, also wurde eine kleine Pause an einem Steinstrand eingelegt, wo Gunnar & Julia nach Steinen mit Löchern suchten. Das Wetter verschlechterte sich immer mehr, bis schließlich die ersten Blitze den inzwischen schwarzen Himmel erhellten.

Wir entschieden uns, nicht mehr die restlichen 15 km zum Straubinger Ruderklub zu fahren, sondern in freier Natur zu campen. Zu dieser Zeit befanden wir uns leider neben einer kilometerlangen Baustelle am Ufer, die einer Mondlandschaft glich (Anmerkung: Die Donau wurde auf diesen Kilometern ausgebaut, dazu gehörten auch neue Uferbefestigungen). Wir holten also die Boote an Land und bauten die Zelte auf. Dann hatten Julia, Sandra & ich Kochdienst und fingen an Paprikagemüse zu kochen. Es wurde immer dunkler und dunkler und fing auch immer mehr an zu regnen, so daß wir am Ende total durchnäßt waren. Wir aßen unser lang ersehntes Essen im Dunkeln, bei Gewitter und Regen. Danach gingen wir schlafen, allerdings nur für kurze Zeit, den gegen 23:30 Uhr fing es an, erbsengroße Tropfen zu regnen. Dazu nahm der Wind orkanartig zu. Bald lief ein kleiner durch unser Zelt und es hätte nicht viel gefehlt, daß wir und unser Zelt weggeweht worden wären. Irgendwann ließ das Gewitter nach und wir schliefen in unseren total durchnäßten Schlafsäcken ein.

Carolin Moje

Der 4. Rudertag (Deggendorf - Passau)

Nachdem wir um 7:00 Uhr aufgestanden waren und gefrühstückt hatten, begannen wir die Zelte abzubauen und die Sachen zu packen. Als wir die Boote zu Wasser gebracht und abgelegt hatten, mußte die "Kirona" noch etwas warten, um uns bei dem Wirt, der sich etwas verspätet hatte, abzumelden. Nach ca. 20 km passierte ein kleines Unglück: Die "Leo Dahmen" trieb auf eine Boje, wobei ein Spant und die Bootshaut rissen, glücklicherweise oberhalb der Wasserlinie. Danach haben wir noch kurz in Wittingen angehalten, um noch Sachen fürs Abendbrot einzukaufen. Nach 53 km erreichten wir eine Schleuse, die eindrucksvoll groß war: ca. 200 m lang, breit genug, daß zwei Boote nebeneinander hineinrudern können und einen Höhenunterschied von 9m. Als 59,1 km vorbei waren, erreichten wir den Passauer Kanuklub. Hier werden wir uns einen Ruhetag gönnen.

René Bethmann

Der 9. Rudertag (Grein - Melk)

Nachdem wir um 6:00 Uhr aus unseren warmen Schlafsäcken gerissen wurden, abgewaschen war und der Essensdienst Wurst, Käse und Brot geschnitten hatte, aßen wir Frühstück. "Kurz" darauf (nach dem Packen) legten wir ab. Die ersten Kilometer konnten wir uns noch treiben lassen, doch dann begann der Rückstau der Staustufe Ybbs. Also mußten wir, während stark scheinender Sonne rudern. Vor dem Wehr mußten wir warten, daß gab uns Gelegenheit mit einem überaus netten Angler über Baseballcaps(?) und Marmelade(?) zu reden. Nach der Schleusung hielten wir an, um eine PP-Pause einzulegen, wobei wir bemerkten, daß der Himmel sich bewölkte. Doch das hielt uns nicht davon ab, nach dem Ablegen eine "kleine" Wasserschlacht zu veranstalten. Im Laufe dieser wurde jeder naß, die Fahne der "Wannsee" wurde (von Jan) geklaut und mir gelang es nach einer kleinen Schwimmtour zur "Wannsee" Tom seine Mütze abzuziehen. Das Wetter wurde zunehmend schlechter, doch das beeinflußte unsere gute Laune keineswegs (noch nicht). Als wir in der Schleuse vor Melk lagen, fing es jedoch an zu regnen (besser: zu gießen). Die T-Shirts, Hosen und Schuhe, die nach der Wasserschlacht getrocknet waren, wurden wieder naß. 10 Minuten später legten wir, im Regen, am Steg der Ruderunion Melk an. Nachdem wir die Boote herausgenommen hatten und uns langsam zum Bootshaus begaben, trafen wir unsere Freunde und Ruderkollegen, die Kieler, wieder. Als wir Wäscheleinen aufgespannt hatten und die Wäsche aufgehängt war, aßen wir Tomatenreis und gingen danach "leise" schlafen.

Nils Beheim-Schwarzbach