"Parlez-vous francais ?" Sommerwanderfahrt auf der Maas

Wanderfahrt - Wochenlanges aufregendes nettes Durchrudern erfreulicher Regionen fern aller Hast, Reisefieber tilgend, wie so schön jemand dieses Jahr in unserer Kladde vermerkte. Und tatsächlich trifft dies genau den Kern der Sache, doch berichten wir von Anfang an: Recht lange war unklar, wo wir eigentlich hinfahren wollten. Geplant war eigentlich Friesland, doch irgendwie schien es uns da etwas zu wenig ruderbare Strecke zu geben. Also suchten wir aufs Neue nach einer schönen Strecke und verfielen auf die Mass. Von Verdun nach Giver, kurz vor der belgischen Grenze, sollte es gehen, gut 200 km, nicht allzu anstrengend, da auf 16 Tage verteilt.

Die eigentliche Anfahrt gestaltete sich allerdings etwas anstrengender, denn obwohl Verdun jedem aus dem Geschichtsunterricht geläufig ist, so ist doch die Bahnanbindung nicht so grandios, so daß wir gut 14 Stunden unterwegs waren und schlappe fünfmal umsteigen mußten. Doch das uns Erwartende war die Mühe wert. Ein schnuckeliges Städtchen empfing uns. Aber unübertroffen waren unsere Gastgeber. Wir wohnten in der vereinseigenen Turnhalle des Club Nautique Verdunois (ein toll ausgebauter Dachboden) und konnten uns jeglicher Unterstützung sicher sein, die wir benötigten. Dies galt für die gesamte Fahrt. Immer und überall waren wir eine Attraktion. Dies äußerte sich immer wieder, sei es in hupenden Autos, die am Kanal entlangfuhren, sei es in ausgesprochen hilfsbereiten Einheimischen. Besonders erwähnenswert wären da unsere französischen Ruderkameraden aus Verdun, Sedan und Monthermé. Abgerundet wurde die Fahrt durch die wunderschöne Landschaft der Ardennen, die wir durchruderten und die, zurecht, 1997 zur schönsten Landschaft Europas gewählt wurde. Petrus war uns ebenso gesonnen, er ergoß das Regenpensum der Fahrt gleich zu Anfang und verschonte uns die restlichen Tage. Wir Betreuer (Anne, Pretty, Jockel, Björn und Tom) empfanden die Stimmung als sehr gut und hatten großen Spaß mit unserer Gruppe. Aber einen eigenen Eindruck gewinnt man vielleicht am Besten aus den Berichten, die die Jugendlichen selbst auf der Fahrt geschrieben haben, und die wir in Auszügen hier veröffentlichen:

Bericht der Busfahrer; 17./18. Juli 1997

Nachdem Gunnar, wie gewohnt, zu spät kam und den 110er Bus behinderte, fuhren wir gutgelaunt Richtung Saarbrücken, unserer ersten Station auf dem Weg nach Verdun. Nachdem wir uns anfangs auf die uns zur Verfügung stehende modernste Technik, nämlich ein Satellitennavigationssystem, welches jeden Ort in Deutschland findet, verlassen hatten, wurden wir schnell enttäuscht. Als wir an einer Ausfahrt vorbeifuhren, ermahnte uns das System: "Gleich schräg rechts !". An dieser Stelle wurde der Bildschirm von einem merkwürdigen Blick von Seitens Gunnars durchbohrt. Dieses Spiel wiederholte sich noch ein paar Mal, bis Gunnar wutentbrannt das ganze System abschaltete. Satellitennavigation hin oder her, angekommen sind wir doch noch irgendwie. Das erste, was uns an unserem neuen Schlafplatz auffiel, waren die das Haus erschütternden Geräusche der dicht gelegenen Kegelbahn. Trotzdem schliefen wir friedlich ein. Um halb neun am nächsten Morgen, also mitten in der Nacht, wurden wir von Aufseherin Anne total aus dem Schlaf gerissen ! "In einer halben Stunde gibt es Essen", waren ihre harten Worte. Nach einem hinuntergeschlungenen Frühstück ging die Fahrt weiter nach Verdun, wo wir gegen Mittag ankamen.

Nach dem Ausladen des Autos fuhren wir einkaufen, wobei Gunnar ein ideales Bild der sozialen Deutschen hinterließ: Schlangenlinienfahrt über den Parkplatz und Behinderung sämtlicher Autos. Nach mehrstündigem Einkauf brachten wir es auf ganze drei Wagenladungen, sehr zur Freude des Kassierers. Als wir das ganze "Geraffel" endlich zurück zur Turnhalle geschafft hatten, ereignete sich das achte Weltwunder: Annes freiwillige Meldung zum Kochen. Nach einem mehr oder weniger bekömmlichen Essen und einem harten Abwasch, trotteten wir unter Leitung von Max (Zitat: "Wir müssen da lang, glaub ich") zum Bahnhof, um den Rest abzuholen. Nach Einquartierung der anderen, konnten wir endlich schlafen.

Jan Storm, Björn Bahr & Max Strowig

Die Bahnfahrer, 18.Juli 1997

Früh um 7:00 Uhr trudelten wir halb schlafend in der Eingangshalle des Bahnhofs Zoo ein. Wo wir uns so früh treffen mußten, ließ es sich gar nicht vermeiden, das irgendetwas fehlte: Emanuels Schlafsack. Also wurde sein Vater telefonisch zum Bahnhof Wannsee (!) beordert, um den Schlafsack dort nachzuliefern. Als dies geschehen war, zog die Karawane schwer beladen zum Bahnsteig. Der Zug fuhr ein, und wir verabschiedeten uns schleunigst von unseren Eltern und machten uns nach dem üblichen Gewinke auf unseren reservierten Plätzen breit. In Wannsee wartete schon der bestellte Schlafsackkurier. Die Schaffnerin, die kam, um die Tickets zu kontrollieren, wurde von uns an den Verrückten mit den bunten Haaren, Tom, verwiesen.

Einige Stunden später erreichten wir Bitterfeld, wo wir das erste Mal umstiegen. Beim Einsteigen in den anderen Zug schaffte es Essi mit Hilfe seiner Tasche unter großem Getöse, einen Mülleimer zu demontieren. Auch hier gelangten wir letztendlich zu unseren Plätzen und verbrachten den Rest der Fahrt mit Skat- und Schachspielen. Angekommen in Offenburg, das nächste Mal umsteigen. Diesmal ein Zug, der uns über die Grenze brachte: Ganze 27 Minuten Zugfahrt. Endpunkt dieses Zuges war Straßbourg, die nächste Umsteigestation. Dort setzten wir uns in ein französisches Wunderwerk der Technik, daß uns nach Chalons brachte. Nicht nur das, es enthielt auch diverse nette Franzosen, mit denen wir uns teilweise nett unterhielten, und die von Kike und Kirsten gerne Autogramme gehabt hätten, diese aber nicht bekamen. In Chalon dann endlich das letzte Mal umsteigen. Ein Schienenbus beförderte uns sicher nach Verdun, wo uns Max, Anne, Björn und Jan abholten und sicher durch die ganze Stadt zum Ruderklub geleiteten.

Gabriel Hege, Esfandiar Nader & Timm Baur

22. Juli 1997 - Von Dun nach Inor

Als uns die lustige S.K.A.T.-Runde (Achtung: Insider-Witz) von nebenan aufweckte, schien bereits eine ziemlich warme Sonne. Es versprach, ein heißer Tag zu werden. Und das wurde er dann auch. Einzig abgekühlt durch gelegentlichen Schatten an Schleusenwänden und erfrischende Wasserschlachten, vorzugsweise alle gegen die "Leo Dahmen", ruderten wir 20 km nach Inor. Zwischendurch hatten alle, die schwimmen wollten und konnten, die Gelegenheit ihre Fähigkeit im Reifen-, Dosen- und Becherklau unter Beweis zu stellen. Max war schuld ! Erschöpft und mit knurrendem Bauch kamen wir schließlich an einem wunderschönen Campingplatz mit Blumenbeet und Gemüsegarten an.

Carolina Hege, Kirsten Bratke, Friederike Holmgren

25. Juli 1997 - Von Sedan nach Charleville

Peinlicherweise berichten wir wieder einmal von schlechtem Wetter, das uns diesmal in Form von Gegenwind und kleinen Schauern entgegentrat. Aber der Reihe nach: Frühes Aufstehen dank erneutem Rudertage, langes Verladen dank Wehranlage. Nachdem wir alle glücklich unterwegs waren, schickte uns der Himmel erst einmal Regen. Aber wir hatten die Schuldige schnell gefunden: Anne, die Übeltäterin, kaufte am Vortag Gruppensonnenmilch. Nachdem der Regen sich verzogen hatte, klarte es auf, doch der Schein trügte wieder einmal: Wenig später begann es zu winden. Stark genug, um uns die Strecke länger vorkommen zu lassen, als sie es war. Völlig erschöpft angekommen, zu unserer Freude ab in einem Ruderklub, gab es nach kürzester Wartezeit, im Gegensatz zu sonst, Chili con carne á la Axel. Doch damit nicht genug, die Betreuer wollten ihr Image aufpolieren (ähem!) und spendierten leckeren Schoko-, bzw. Vanilliepudding, der mehr oder weniger ordentlich von den Leuten gegessen wurde (Hallo Tom!). Nach langem Abendklatsch hieß es auch heute: Schlafen gehen!

Jan Storm & Björn Bahr

26. Juli 1997 - Von Charleville nach Monthermé

Captains Logbuch, Sternzeit 2607.1997 - Nachdem wir um 8:00 Uhr unsere Kojen räumen mußten und sich das Kombüsen-Team in die nahgelegene Sternenbasis Charleville, einem schon prähistorischen Stück Weltraumkultur, einkaufen gebeamt hatten, sollte die restliche Besatzung unsere Flugboote aus dem Hangar lotsen, wo wir sie zum Schutz vor den Hooligonen geparkt hatten. Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück im Frühstücksraum 1, dem Naturholodeck mit Realitätsfaktor 105, durfte auch die restliche Besatzung einen zweistündigen Landurlaub antreten. Pünktlich um 12:00 Uhr waren alle wieder an Bord. Nachdem um 13:00 Uhr alle Flugboote betankt und beladen wurden, ging es auf eine circa 20 km lange Raumpatrouille. Bereits nach kurzer Zeit trafen wir einen alten Bekannten: Einen Ausflugsdampfer, der die Maas immer auf und ab patrouillierte. Er begrüßte uns sogleich mit seinem intergalaktischen 100 db-Horn.

Da die zwei Marssonnen verdeckt waren, maß das Bordthermometer nicht mehr als 19,752 °C. Der Flug verlief dennoch, oder gerade deswegen, eher ruhig. Kleinere, nein sogar größere, Komplikationen gab es beim Andocken an unser Zielcamp. Es lag hinter einem, nicht ohne großen Zeitaufwand zu umfahrenden, Wehr. Kurzerhand wurde an einem anderen Terrain dû Camping festgemacht und unser Bord-Counsellor Tom überredete den eher störrischen Aufseher, uns eine kleine Wohneinheit zur Verfügung zu stellen. Nach dem Nachtmahl machten wir uns bald in die Kojen auf. Die Leute, die ihre Zelte nicht ausreichend abgespannt hatten, hatten eine sehr, sehr feuchte Nacht

Axel Steinacker

Wanderfahrtgedicht - Von Kirsten Bratke

Denk ich an Frankreich, dann denk ich an den Sommer 97
Ich denke an Ruderboote und Spaß-
An unsere Wanderfahrt auf der Maas.
Es gab manchmal Streit um kleine Sachen
Doch vor allem gab es viel zu lachen.
Mal gab es Regen, doch bald darauf
Tauchte auch die Sonne wieder auf.
So war es meistens warm und trocken
Da gabs kaum Zeit für nasse Socken
Morgens in aller Frühe der Schrecken -
Betreuer kommen, um uns zu wecken !
Jemand will nicht raus aus dem Zelt ?
Ein, zwei Betreuer und das Zelt fällt.
Die Einkaufsgruppe raus aus den "Betten",
auf zum Bäcker um mal schnell die netten
ungefähr 20 Baguettes zu kaufen,
um die sich beim Frühstück dann alle raufen.
Die Säcke zu und die Zelte klein ?
So passt dann auch alles in die Boote rein.
Die Boote zu Wasser, beladen und schon
Sind wir ne kleine Attraktion.
Wasserschlachten ohne Ende, Steuerklau und Füchse jagen,
Spuckmuscheln und Schleusenwände hatten wir an allen Tagen.
Es gab dort tolle Landschaften, hohe Berge, Hügel und Wälder,
Angler, die Fische an Land schafften, Segelflieger, Libellen und Felder.
Kamen wir im Ort an, fragten wir: "Ou est le Terrain de Camping ?"
"Mensch die Leute verstehen mich, das is ja n dolles Ding!".
Campingplätze von jeder Sorte -
Gammelige, schöne sind lustige Orte:
Kinder am Zaun, "Comment tu t'appelle?"
Solch Bekanntschaften kommen schnell.
Schnell ändern auch mal Haare die Farbe, oder bekommen nen neuen Schnitt
An Ruhetagen halten uns Einzel und Doppel unseres Federballturniers fit !
Abends dann kochen, essen, abwaschen, "So die kleinen gehen jetzt ins Bett" -
Für die Betreuer mit ihren Flaschen wird's jetzt erst richtig nett.
Tja, es ist soviel passiert, dass kann man gar nicht alles schreiben,
aber wer dabei war, dem wird diese Fahrt wohl noch lange in Erinnerung bleiben !