Sommerwanderfahrt durch Schweden
"Das Wandern ist des Müllers Lust", so weiß das alte Volkslied zu berichten. Nicht nur das des Müllers mag nun der engagierte Wassersportler einwerfen, Ruderer wandern mindestens genauso gern, nur nicht auf staubigem Land, sondern vielmehr direkt in der Natur auf den schönen Wasserstraßen unseres Kontinents.
Schwierig wird das ganze dann erst, wenn man schon
einen guten Teil der Deutschland umgrenzenden Länder abgegrast hat, keine Seerfahrung besitzt
und trotzdem mehr als 100-200 km am Stück rudern will. So lag unser diesjähriges Ziel so weit
weg wie noch nie, nach Schweden sollte uns die Reise führen. Denn in Schweden kann man auch
abseits der beiden großen Seen Vänern und Vättern, für die man dann doch Seerfahrung mitbringen
sollte, rudern. Nicht weit entfernt von den beiden liegt nämlich das Dalsland mit seiner weiten
Seenlandschaft. Unter weiter Seenlandschaft muß man sich allerdings in diesem Fall ein rein
bilderbuchhaftes Panorama vorstellen: große, langgestreckte Seen voller klarem Wasser, umgeben
von sanft hügeligem Wald, unterbrochen von ein paar felsigen Inseln, überspannt von einem
weiten, und bei uns zumindest, meist wolkenlosen Himmel.
Dazu fast menschenleer. Sicherlich gibt es in der Gegend reichlich Paddler, aber diese sind meist so weit weg, daß man sie kaum bemerkt, so daß man wirklich fast den ganzen Tag für sich alleine ungestört durch dieses Panorama rudern kann. Als ob alle schon im vornherein geahnt hätten, was uns da erwartet, war dieses Jahr die Nachfrage nach Teil-nehmerplätzen so groß wie schon lange nicht mehr: mit 27(!) Leuten sind wir dann insgesamt auf Fahrt gegangen, ein größerer Berg, was Gepäck und Verpflegung angeht. Trotzdem war es genau deswegen auch so bunt gemischt, und lustig wie schon lange nicht mehr, da halt lauter verschiedene Charaktere mitwaren. Uns allen wird Schweden in guter Erinnerung bleiben, denke ich, und wir können es allen, die noch ein wenig auf der Suche nach Ruhe und Natur sind, nur empfehlen.
Jan Baur
Anreise (03.8./04.8.)
Gut gelaunt und voller Vorfreude trudelten alle gegen 22.30 Uhr am Ostbahnhof ein. Schon ins Gespräch und in Diskussionen über Schweden vertieft stand die Meute kurze Zeit später auf dem Bahnsteig und war zur Abfahrt bereit. Die Eltern wurden noch kurz verabschiedet, und schon rollte der Zug aus dem Bahnhof. An Schlafen wurde natürlich überhaupt nicht gedacht, und so verging die Fahrt bis zur Fähre mit quatschen, lachen und futtern. Auf der Fähre angekommen tankten einige schon mal frische Seeluft an Deck, während andere ihr erstes Geld im Duty-Free-Shop ließen und wieder andere versuchten den versäumten Schlaf nachzuholen. Mit dem Zug ging es dann weiter nach Malmö, wo wir zweieinhalb Stunden Aufenthalt hatten, bis uns der nächste Zug nach Göteborg brachte. Von dort aus gings nach gut einer Stunde Aufenthalt weiter nach Ed unserem Zielpunkt. Die Müdigkeit hatte uns längst eingeholt, und so verbrachten wir eine ruhige Zugfahrt. In Ed warteten bereits Jockel Praetorius und Anke Schulz auf uns, um uns das Gepäck abzunehmen und uns den Weg zum Campingplatz zu erklären. Hier gab es auch noch einmal kurz Aufregung, weil Emanuel beinahe im Zug sitzen geblieben wäre. Nach 2 km Fußmarsch erreichten wir schließlich den Campingplatz, wo wir mit heißen Nudeln und Tomatensoße empfangen wurden.
Carolina Hege, Conni Bürger & Berit Bohnekamp
Der dritte Rudertag.(8.8.)
Tom Stargardt weckte uns viel zu früh, und dann auch
noch mit einem breiten Grinsen (strahl). Nach dem Frühstück ging es weiter mit der Tour de
Schweden, dabei drehte Tom allerdings noch ein Ehrenrunde. Anfangs schien noch
freundlicherweise die Sonne, was sich leider auf der Hälfte der Strecke änderte. Die Fahrt
verlief größtenteils mit sich anbahnenden Wasserschlachten, aber letztendlich verbrüderten wir
uns doch zu einem großen Bootsklumpen. Gegen Ende lernten wir noch den Nutzen von Kielleisten
zu schätzen, wenn das Wasser plätzlich sehr flach wird und wir glaubten alle, die Irma sei
verschollen. Aber im Gegenteil: die war schon am Ziel! Während des Booteausladens fing es dann
auch noch an zu regnen (Iiiiiih!), so daß wir den Tag im großen Zelt mit einem Feedback
beschlossen.
Gabriel Hege, Martin Weidemann & Esfandiar Nader
Der letzte Rudertag (15.8.)
Heute war der letzte Rudertag dieser Wanderfahrt, verbunden mit gemischten Gefühlen: manche trauerten dem Ende der Fahrt nach, manche freuten sich auf die ruderfreien Tage (Göteborg-Berlin). Um 7.00 Uhr weckte uns sanft der kühle Nieselregen, der uns noch länger begleiten sollte. Als wir dann an der ersten Vierfachschleuse (von insgesamt zwei Vierfach- und zwei Einfachschleusen) angekommen waren, hörte es auf mit sachte regnen. Der uns nun befallende Regen sollte bis zu unserer Ankunft in Haverud anhalten! Zum Abschluß überquerten wir noch den Aquädukt von Haverud und freuten uns, als uns am Steg warmer Tee erwartete. Danach: Naß -Duschen - Trocken - frische Sachen - Essen (23.00Uhr) - Schlafsack.
Stephan Mrotzek, David Lucht & Max Strowig
Rückfahrt (20.8.)
Tja, nun ist unser letzter Tag, bzw. die letzten Stunden in Göteborg gekommen. Der Tag fing, wie sollte es anders sein, mit Frühstück an. Es folgte aber ein allgemeines Durcheinander, daß Außenstehenden als Chaos, Eingeweihten als Aufräumen bekannt sein könnte. Nachdem das Haus eine Grundreinigung bekommen hatte trat wiede die alte Frage auf, ob der Zug nun am Ostbahnhof oder am Zoo ankommen sollte. Wie wir erst in Malmö erfuhren, sollte es dann doch Zoo sein. Endlich im Zug nach Berlin fing bei einigen das Koma, bei anderen die Partyphase an. Nach dreieinhalb Stunden auf einer nun deutschen Fähre erreichten wir Sassnitz und ich sitze hier im Abteil und schreibe diesen Bericht...
Jan Baur
