Erosions- und Röhrichtschutzmaßnahmen für unsere Insel Kälberwerder

74 Jahre nach dem Erwerb der Insel und 25 Jahre, nachdem wesentliche Teile der Insel durch eine Steinschüttung aus Mitteln des Senats von Berlin gesichert werden konnten (Abschluss der Arbeiten im September 1975), steht erneut ein großes Vorhaben an.

Wir stellten im Jahr 1999 an die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie einen Antrag zu prüfen, ob die Insel in das sog. Röhrichtschutzprogramm des Senats einbezogen werden könnte. Bereits im Dezember 1999 fand ein Ortstermin auf KW statt.

Nach Durchführung umfangreicher Vermessungs-, Peil- und Planungsarbeiten erhielten wir am 23.11.2000 den Bescheid, dass die im folgenden beschriebene Baumaßnahme im Jahr 2001 bzw. 2002 -vorbehaltlich verfügbarer Haushaltsmittel- realisiert werden kann:

"Der vorgesehene Baubereich befindet sich im Südwesten von Berlin. Die Insel Kälberwerder befindet sich nördlich der Pfaueninsel in der Unterhavel bei km 12,5. Der Ausbaubereich erstreckt sich am Ostufer auf einer Länge von ca. 100 m und am Westufer ebenfalls auf einer Länge von ca. 100 m und wird mit einer Sandschüttung für die Neupflanzung von Röhricht aufgefüllt und mit einer Palisadenreihe gegen Stressoren geschützt. Im Bereich des Steges wird die Maßnahme für ca. 80 m unterbrochen, um den Fischern einen Garnauszug zu ermöglichen.

Im Jahr 1999 wurde zum ersten Mal eine Luftbildauswertung des gesamten Röhrichtbestandes an den großen Berliner Gewässern mit 192 km Uferlänge erfasst und der Zuwachs bzw. Rückgang der letzten Jahre dokumentiert. Der ursprüngliche Röhrichtbestand im genannten Bereich der Insel hat sich, vermutlich durch die mechanischen Beeinträchtigungen durch Wellenschlag und der daraus resultierenden Erosion, stark reduziert und ist in den letzten Jahren letztendlich verschwunden, so dass ein sofortiges Handeln erforderlich ist, was durch den Eigentümer (Ruderklub am Wannsee) unterstützt wird. Einzelne Uferabschnitte sind inzwischen stark erodiert, dass eine Abbruchkante entstanden ist. Eine natürliche, spontane Wiederansiedlung von Röhricht ist unter diesen Bedingungen ausgeschlossen.

Zur Wiederherstellung des Röhrichts entsprechend des Schutzzweckes soll entlang des durch die Exposition begünstigten Uferabschnitts der ursprüngliche Röhrichtgürtel durch Neuanpflanzungen wieder entstehen. Dies ist nur unter Voraussetzung eines Wellenschutzes im Form einer Palisadenreihe und einer Sandschüttung möglich.

Für die Röhrichtanpflanzung wird eine Sandschüttung mit einem Plateau von ca. 7 m hergestellt und gegen Stressoren durch eine überschnittene Palisadenreihe geschützt.

Ausgedehnte Röhrichtbestände sind ein charakteristisches Element unserer Gewässer. Aus der Sorge um den Erhalt der Gewässerufer und Röhrichte hat das Abgeordnetenhaus 1986 das Röhrichtschutzprogramm beschlossen, dessen Umsetzung mit der o.g. Baumaßnahme vorangetrieben wird. Röhrichte stellen heute ein gefährdetes Biotop dar, das als Lebensraum für viele Wasservögel, Fische, Insekten, Wasserschnecken, Muscheln und andere Organismen dieser Art von existentieller Bedeutung ist. Die auf Röhricht spezialisierten Fischarten suchen dort ihre Nahrung und laichen dort.

Aufgrund ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt sind Röhrichte nach § 20 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt (§ 26 a des Berliner Naturschutzgesetzes), so dass wir gesetzlich dazu verpflichtet sind, einen Teil des ursprünglichen Röhrichtbestandes wiederherzustellen."

Interessierte Mitglieder können sich anhand der im Vorstandszimmer ausliegenden Planungszeichnung über die vorgesehenen Arbeiten informieren.

Jürgen Sommer