Auf dem Weg nach Peking: Was macht eigentlich Mathilde Pauls ?
Vorgeschichte: Seit meinem letzten Bericht sind mittlerweile fast zwei Jahre vergangen; daher ist es höchste Zeit, dass ich mal wieder etwas schreibe! Es ist auch einiges passiert inzwischen, z.B. habe ich seit einiger Zeit die britische Staatsbürgerschaft.
Der U23 WM in Amsterdam folgte eine Saison 2005/2006, die zwar durchaus auch ihre erfreulichen Seiten hatte, aber insgesamt doch eher geprägt war von Schwierigkeiten, das sehr zeitaufwändige klinische Medizinstudium an der neuen Uni in London und die Ruder-„Verpflichtungen“ in Deutschland unter einen Hut zu bekommen.
Nach recht erheblichem Hin und Her und einer Wettkampfpause nach dem World Cup 2006 in München bin ich seit Anfang der Saison 2006/2007 in Großbritannien am Start, um mich für den britischen leichten Doppelzweier zu qualifizieren und bei der WM in München diesen Sommer die Olympiaqualifikation im Auge zu behalten - „ambitious but achievable“, wie man so schön auf Englisch sagt!
Bis jetzt ist auch alles mehr oder weniger nach Plan gelaufen:
Bei den drei Langstrecken, die in England Teil der Selektionsprozedur sind, erruderte ich im Oktober
2006 den zweiten, im Dezember den dritten und beim „letzten Durchgang“ im Februar 2007 (der übrigens
aufgrund kalter und windiger Wetterbedingungen durch ein zweimal 2 km Zeitfahren, bei welchem die
Zeiten der beiden Strecken addiert wurden, ersetzt wurde) sogar den ersten Platz.
Die Trails:
Am 15. und 16. April war es dann soweit: „Final Trials“, das Äquivalent der Deutschen
Kleinbootmeisterschaften (ehemals „Frühtest“).
Dank der wie immer tollen Unterstützung durch den RaW konnte ich mich (wie bereits auch im Januar für
die Langstrecke im Februar) auf diese „Trials“ in Berlin vorbereiten, wo mir Sven Ueck, Martin Weis
oder auch Vladi Vukelic mit dem ein oder anderen fachkundigen Ratschlag zur Seite standen.
In Hazewinkel/Belgien (dort finden die britischen Final Trials statt) angekommen, wurden wir [die
leichten Frauen] am Sonntag zunächst mit 57kg verwogen (und nicht wie in Deutschland 59kg, oder letztes
Jahr in GB noch 58kg). Ich fand die neuste Idee der Selektoren in England, ganz früh in der Saison
schon „schön leicht“ sein zu müssen, ganz furchtbar. Dann gab es ein 1900m Zeitfahren, dessen
Ergebnisse zur Setzung der Halbfinale verwendet wurden. Ich wurde 5., was zunächst einmal etwas
enttäuschend war, aber auf den zweiten Blick doch durchaus in Ordnung, da die Zeiten sehr, sehr dicht
zusammen lagen, und ich das Zeitfahren recht verhalten in Angriff genommen hatte.
Sonntag Nachmittag im Halbfinale, mit der Konkurrenz in der Nebenbahn, war es dann einfacher, „die
Sache etwas aggressiver anzugehen“, so dass ich nach einem guten Rennen den Bugball als Erste über die
Ziellinie ruderte. Zum Finale am Montag (und nach einer weiteren Einwaage mit 57kg) hatte der schräge
Gegen- auf schrägen Schiebewind gedreht, war aber weiterhin schwach und die Wasserbedingungen blieben
sehr gut. Leider wurde ich dann „nur“ Dritte im Finale, nachdem ich in der Startübergangsphase meinem
„Lieblingsproblem“ wiederbegegnete und von Schlagzahl 35-40 direkt auf 30 „hinunterfiel“, und dann auch
im Wesentlichen dort verweilte, bis mir auf den letzten 250m dann auffiel, dass ich doch noch einiges
„im Tank hatte“ (was mir zumindest die schnellste letzte 500m Zwischenzeit einbrachte.)
Langer Rede kurzer Sinn: Um für die Doppelzweier-Ausscheidungsrennen (mit drei weiteren Teilnehmerinnen)
am Donnerstag, 26.4. eingeladen zu werden, hatte es gereicht.
Aktuelle Entwicklungen:
Nach der erfolgreichen Doppelzweier-Selektion fuhr ich mit Jane Hall, was auch zunächst ganz gut lief.
Damit konnte ich dann als „GB“ beim 1. World Cup in Linz auch die Fahne meines Berliner Heimatklubs,
des RaW „hochhalten“. Nach kleineren „internen Widrigkeiten“ folgte leider ein krankheitsbedingter
Ausfall nach dem Viertelfinale, da ich Halsschmerzen hatte, die sich dann in den nächsten Tagen zu
einer „ordentlichen“ Erkältung entwickelten. Deshalb fuhr ich danach Doppelvierer, was auch ganz gut
läuft (wieder mit Jane, sowie Sophie Hosking, Laura Greenhalgh). Beim 2. World Cup in Amsterdam sind
wir als Leichtgewichte bei den Schweren mitgefahren, werden beim 3. World Cup in Luzern aber dann
leicht fahren- was auch der voraussichtliche Plan für die WM in München ist, es sei denn die aktuelle
Mannschaft des Leichtgewichts-Doppelzweier erlaubt sich einen „Aussetzer“ oder jemand fällt
krankheitsbedingt aus!
Mathilde Pauls
