Zweimal Gold und ein vierter Platz bei der U 23-Weltmeisterschaft 2008 in Brandenburg/Havel
Nach den erfolgreichen Starts bei den Qualifikationsrennen anlässlich der Internationalen Regatta in Ratzeburg und dem Ergebnis der Deutschen U 23-Meisterschaften in Köln stand fest, dass
- Tina Manker mit Partnerin Sophie Dunsing (SV Energie Berlin) im Frauen-Doppelzweier,
- Linus Lichtschlag mit Partner Lars Wichert (RC Allemania Hamburg) im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier und
- Hendrik Bohnekamp mit den Partnern M. Rückbrodt (Der Hamburger und Germania RC), M. Jessen (RC Hansa Hamburg) und N. Menke (Friedrichstadt) im Männer-Vierer ohne Steuermann
die deutschen Farben auf der U-23-WM 2008 vertreten würden.
Für die erstgenannten Boote war Sven Ueck und für den Vierer Rita Hendes, Hamburg (die in der Vergangenheit schon etliche namhafte Boote mit RaW-Beteiligung international betreut hatte) als Trainer bzw. Trainerin verantwortlich.
Nach dem knapp 20-tägigen Vorbereitungslehrgang in Ratzeburg wechselte die Nationalmannschaft nach Brandenburg. Auf dem Beetzsee mit seinen nicht immer fairen Bedingungen fanden am 17., 18. und 19. Juli 2008 die Vor- und Hoffnungsläufe sowie Halbfinals statt, die bei der großen Anzahl von Meldungen (54(!) Nationen waren vertreten) und der ruderischen Qualität der Aktiven zu heiß umkämpften Ergebnissen führten.
In Erwartung eines erfolgreichen Abschneidens „unserer“ Boote hatte Klaus Schüler einen 50-sitzigen Bus geordert und Eintrittskarten bestellt, um einem möglichst großen Fan-Club aus dem RaW die Teilnahme an den Endläufen am 20. Juli (Sonntag) zu ermöglichen. Eine gute Idee, zumal die rd. 4.000 verfügbaren Sitzplätze relativ schnell ausverkauft waren.
Tatsächlich konnten sich unsere drei Aktiven, zum Teil mit Vorlauf- und Halbfinalsiegen, für die Endläufe qualifizieren. Bei halbwegs vernünftigen Verhältnissen, wobei den Halbfinalsiegern aber immer die windbegünstigsten Bahnen eingeräumt wurden, konnten wir sehr schnell die erste Goldmedaille dieser WM für die Einerruderin Julia Richter vom SC Berlin-Köpenick bejubeln.
Dann kam der Frauen-Doppelzweier mit Tina Manker, die mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg die zweite Goldmedaille für den Deutschen Ruderverband holte:
1. Deutschland 7.08.70 Min.
2. Tschechin 7.10.34 Min.
3. Polen 7.12.40 Min.
4. GBR, 5. UKR., 6. NED.
Wenig später wurde erneut die deutsche Nationalhymne für den Sieg Hendrik Bohnekamps im Männer-Vierer ohne Steuermann gespielt, auch hier ein begeisterndes Rennen mit einem überzeugenden Ergebnis:
1. Deutschland 6.13.79 Min.
2. Italien 6.15.82 Min.
3.Croatien 6.17.38 Min.
4. AUS, 5. NZL, 6. GBR
Für den leichten Männer-Doppelzweier hatten 22 Nationen gemeldet. Linus Lichtschlag musste mit Lars Wichert wegen ihres zweiten Platzes im Vorlauf in den Hoffnungslauf, den sie gewannen. In den zwei Halbfinals mit vier Vorlaufsiegern und den jeweils vier Ersten und Zweiten der Hoffnungsläufe mussten die Plätze 1 bis 3 belegt werden, um den Endlauf der besten 6 Boote zu erreichen. Der deutsche Zweier fuhr in seinem Halbfinale auf den dritten Platz mit der Folge, dass er im Endlauf auf der besonders windanfälligen Außenbahn starten musste. Dennoch hätte es fast zu einer Medaille gereicht und der vierte Platz für diese noch sehr junge Mannschaft im Kreis der U 23-Ruderer ist sicher ein sensationelles Ergebnis:
1. Italien 6.47.14 Min.
2.Ungarn 6.48.34 Min.
3. Bulgarien 6.51.45 Min.
4. Deutschland 6.53.70 Min.
5. GRE, 6. SLO.>/p>
Einen herzlichen Glückwunsch an unsere erfolgreichen Aktiven mit Trainer und Trainerin!
Mit diesen internationalen Erfolgen wird eine Serie fortgesetzt, die im Jahr 2004 mit der Goldmedaille Timm Baurs im Achter auf den U 23-WM in Poznan/Polen begann, und sich 2005 im Amsterdam mit zwei Goldmedaillen (Mathilde Pauls im leichten Frauen-Doppelzweier, Alexander Sredzki im B-Vierer mit Steuermann) und 2007 mit der Teilnahme Linus Lichtschlags und Hendrik Bohnekamps an der U 23-WM in Strathclyde/Schottland fortsetzte. Ein schöner Erfolg, auch für unser Mitglied Sven Ueck, der als Trainer im Olympia-stützpunkt Berlin einen großen Anteil daran hatte.
Nachbetrachtung
Der Deutsche Ruderverband führte mit 12 Medaillen, davon 5 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze, den Medaillenspiegel an, und dies wohl nicht zum ersten Mal bei den U 23-Weltmeisterschaften. Wie kann es sein, dass die deutschen Starterinnen und Starter bei den letzten Weltmeisterschaften (München 2007) und den Olympischen Spielen Peking 2008 überwiegend versagten? Der Presse kann man entnehmen, dass in Peking mit einer Silber- und einer Bronzemedaille das schlechteste Ergebnis seit 1956(!) erzielt wurde.
Die Konsequenz daraus wird für unsere internationalen Ambitionen im Olympiazyklus bis London 2012 sehr schmerzlich sein, denn die öffentliche Förderung wird sicher in einzelnen Disziplinen stark zurückgefahren werden. Weniger Geld bedeutet für uns als Klub eine (noch) stärkere finanzielle Beteiligung bei der Teilnahme an DRV-Maßnahmen (z.B. Zusammenführungen, Trainingslager, internationale Wettkämpfe), auch bei olympischen Bootsklassen; die nicht-olympischen Klassen werden vom Bundesinnenministerium ohnehin nicht gefördert.
Wir hoffen, dass wir unserem talentierten Nachwuchs auch künftig die Chance geben können, sich leistungsmäßig weiter zu entwickeln, um den Ruderklub am Wannsee erfolgreich auf internationaler Ebene zu vertreten, wie dies in den letzten Jahren beispielhaft Katrin Rutschow-Stomporowski, Jan Herzog und Bernhard Stomporowski taten.
Hans-Jürgen Sommer
