Erste Schritte 2010
Karsten Brodowski über die Saisonvorbereitung
Mit dem eigenen Auto bis München, eine Nacht bei Marcel Hacker übernachten und dann zusammen weiter nach Sabaudia.
Anreise war der 21.02., und eigentlich war dies der Beginn des DRV- Frauentrainingslager, aber der Berliner Winter zeigte sich zu hart, als dass man dem dolce vita widerstehen konnte. So reisten Tina Manker, Sven Ueck und ich zur selben Zeit dort an. Insgesamt wurde den Mädels die inhaltliche Planung vom neuen Bundestrainer Hartmut Buschbacher vorgegeben, und es gab schon bei erstem Betrachten der 270km Wochen (Anm. d. Red.: Trainingsleistung auf dem Wasser) einiges Stöhnen und Schnaufen. Schnell wurde allen klar, das Bett könnte sich zu deinem besten Freund herausstellen. Ich hingegen war die ersten zehn Tage auf eigene Faust eingebucht, was mich zwar nicht davon abhalten konnte, um 6:50 Uhr der Erste auf dem Wasser zu sein, aber zum Einen konnte so die zweite Rudereinheit auf halb zwei gelegt werden, was mir stets die Gelegenheit eines 90-minütigen Soloauftritts bot und zum Anderen konnte ich dann ab vier Uhr nachmittags mit Hilfe eines „espresso dopio“ nochmal ganz entspannt mit nem 28er Schnitt zwei Stunden in den Sonnenuntergang radeln.
Die Tage vergingen und die Minuten eifrigen Trainings addierten sich, gelegentlich warf Uecki dann auch mal ein Auge auf das, was der Brodowski da machte, denn am Ende wissen wir alle, dass ein Feedback von außen unverzichtbar ist. Als dann am 4. März die Männer anreisten, musste auch ich langsam den offiziellen Rhythmus annehmen, alles wurde erst mal etwas stressiger. Wir fuhren Doppelvierer, Doppelzweier und Einer zu gleichen Teilen, und auch wenn man seit Peking mit 23 Jahren fast der älteste ist, gelang es eigentlich immer, ein hohes Anspruchsniveau umzusetzen.
Nicht nur mit Marcel Hacker auf einem Zimmer zu wohnen, sondern auch eine Vielzahl gemeinsamer Zweiereinheiten, schufen bei mir ein Bild eines hochprofessionellen und äußerst kameradschaftlichen Rudersportlers zugleich. Sicherlich ein nicht allzu gewohnter Eindruck von „unserem Einzelgänger“, aber jeder kennt sas Axiom von actio=reactio, welches vielleicht lange Zeit so ein falsches Bild provozierte. Auf jeden Fall auch ein Erfolg nach der Neuorganisation des DRV, ihn wieder ins Team zu holen. Am Ende schmeichelte es mir schon, als er meinte: „mmh Karsten, ich dachte immer man könne mit dir nicht rudern, nachdem was sie an mich immer herangetragen hatten…“ und wir waren uns einig, viel Spaß beim Training zusammen gehabt zu haben, der sich vor allem in lehrreichen Wasserkilometern und zusätzlichen Radeinheiten äußerte.
Schade, dass Marcel eine Woche vor mir abreiste und ich mich nochmal mit den bereits deutlich vorhanden Ermüdungserscheinungen weiter quälen musste. Zum Glück jedoch ließ er die Sonne da. So ging am 20. März eines der besten Trainingslager zu Ende. Mit knapp 700 vernünftigen Kilometern auf dem Wasser und einem Wochenschnitt von 33 Stunden im Gepäck konnte man relativ zufrieden die Heimreise antreten und sich auf erholsame Tage daheim freuen. Vielen Dank bereits an dieser Stelle für die freundliche Aufnahme in den Ruderklub und ich denke, die ersten Schritte in eine von Erfolgen dominierte Saison sind getan.
Karsten Brodowski
