Der Karwendellauf-/marsch am 12. September
Ein Härtetest in den Bergen für unsere Trainingsgruppe
Seit 1990 war es still geworden um die sportliche Herausforderung, die von Scharnitz bei Seefeld / Tirol quer durch das Karwendelmassiv nach Pertisau / Achensee führte.
An einem Tag (!) waren 52 km auf Bergwegen (insgesamt 2764 Höhenmeter) zu überwinden. Etwas kürzer (35 km), aber kaum weniger anspruchsvoll, lief die Tourenklasse bis zur Zwischenstation „Eng“ / Großer Ahornboden. Aus Gründen des Naturschutzes wurde die Veranstaltung, an der damals bis zu 3000 Läufer und Wanderer teilnahmen, eingestellt. So entfiel auch für die damalige Generation von RaW-Trainingsruderern ein interessanter Abschluss der Wettkampfsaison. Durch Zufall entdeckte Klaus Schüler, selbst 10 mal Teilnehmer des Laufs, die erstmalige Wiederaufnahme des Karwendellaufs im Jahr 2009 im Internet. Schnell war fast die gesamte Trainingsmannschaft mit den Trainern Vladi Vukelic und Julian Mendyka begeistert (was der Eine oder Andere nach dem Lauf zunächst vielleicht bereut hat). Klaus hatte eine umfassende Informations- und Ausrüstungsliste erstellt und eine kostenfreie Unterkunft für 15 Leute in der Bundeswehrkaserne der Gebirgsjäger in Mittenwald organisiert. Mit 3 Bussen startete die „Expedition“ dann bereits am Donnerstag, dem 10. September, um den Freitag noch für eine „Eingehtour“ (550 m Anstieg) zur Wettersteinhütte oberhalb von Leutasch zu nutzen, leider bei schlechtem Wetter. Wie es den Aktiven selbst beim Karwendellauf ergangen ist, berichten im Folgenden Clemens Barth (35 km) und Karl Breuer (52 km).
Teilnehmer waren: 52 km: Vladi Vukelic, Julian Mendyka, Hendrik Bohnekamp, Linus Lichtschlag, Karl Breuer, Christian Brokat und Kevin Rakicki. 35 km: Paul Habermann, Nils Bock, Clemens Barth, Martin Hein, Lucas Dittmann, Nils Hutmacher, Max Fenner, Chistophe Dumas, Julia Klante, Antonia Lassen und Reiner Bröge, also insgesamt 18 Läufer und Geher.
Betreuer/Fahrer: Andreas Albrecht, Roswitha und Klaus Schüler, Martin Weis sowie als „Besucher“ Wille Käber und Otto Zenk Fazit: Alle Teilnehmer sind erschöpft, z.T. etwas gehbehindert, aber hochmotiviert in Berlin angekommen. Übrigens, der nächste Karwendelmarsch findet am 28. August 2010 statt. Interessenten außerhalb der Trainingsgruppe können sich bei Klaus Schüler informieren.
Hans-Jürgen Sommer
35 Kilometer-Marsch
In zwei Gruppen haben wir uns auf den Weg Richtung Süden zur Edelweiß-Kaserne in Mittenwald gemacht. Die erste Gruppe ist am Donnerstag früh als Vorhut losgefahren, um den Weg für die anderen zu ebnen. Als wir ankamen, war es schon recht spät. Wir teilten uns erneut, eine Gruppe kam in der Kaserne unter (getrennt in Senioren und Junioren), und die andere bezog in der Stadt Quartier. Wir, die „Junioren-Gruppe“, hatten, trotz unseres großen Hungers, einen lustigen Abend mit den Bundeswehrsoldaten, mit denen wir jedoch große Verständigungsprobleme hatten, da wir der bayerischen Sprache nicht mächtig sind. Alles, was „Rang und Namen“ hatte, war auf der Verabschiedungsparty eines Oberst, und die Soldaten hatten somit „sturmfrei“. Beschäftigt haben wir uns dann mit Liegestützcontest und Armdrücken-Wettkämpfen.
Am nächsten Morgen haben wir uns mit den Bussen auf den Weg in die Berge gemacht, um uns schon mal für den großen Lauf am Samstag vorzubereiten. Im Bus haben wir dann von der „Senioren-Gruppe“ erfahren, dass diese am Abend zuvor noch lecker Essen waren, während uns der Magen knurrte. „Ihr hättet euch melden müssen“ (Zitat Martin Weis). War natürlich unsere Schuld, dass wir nichts zu essen bekamen. Wir hatten vergessen: es ist selbstverständlich, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, dass sich eine kleine Gruppe abschottet und alleine essen geht. Aber wie Hendrik Bohnekamp doch so schön sagte: „Beim Essen ist sich jeder selbst der Nächste, da wird nicht an die Anderen gedacht“. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um uns ein wenig auf den nächsten Tag vorzubereiten und sind einen kleinen Berg hinauf gewandert, um dann oben in der Hütte etwas zu trinken und die schöne Landschaft zu genießen. Nach dieser kleinen Wanderung waren wir alle ein wenig aufgeregt, da wir an diesem Tag nur knappe 9 km gewandert waren, wobei uns am nächsten Tag aber 52, bzw. 35 km erwarteten, und doch diese kleine Wanderung schon nicht „ohne“ war.
Um uns dann zu stärken, sind wir essen gegangen (diesmal zusammen), man hatte die Wahl zwischen Nudeln und Kaiserschmarrn. Erschöpft wie wir waren, mussten wir uns erst einmal ein kleines Mittagsschläfchen gönnen, ehe wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht haben, in der es nicht allzu viel zu sehen gab, außer einer recht eindrucksvollen Kirche und vielen kleinen Geschäften. Da die Bundeswehrsoldaten seit 11 Uhr am Morgen Wochenende hatten und alle nach Hause gefahren waren, und wir am nächsten Tag um 6 Uhr los wandern wollten, haben wir uns vorgenommen, früh ins Bett zu gehen ... doch aus diesem Vorhaben ist nichts geworden.
Am nächsten Morgen haben wir dann in aller Eile gefrühstückt und uns auf den Weg zum Startpunkt des Karwen delmarsches gemacht. Der Marsch an sich war eine lustige, wenn auch sehr anstrengende Angelegenheit. Wir hatten sehr viel Spaß und waren dann auf der Strecke auch so ziemlich die einzigen, die für Stimmung gesorgt haben. An jedem kleinen Hügel und an jeder Verpflegungsstation, die wir passiert haben, sind wir in lauten Jubel gefallen, sehr zur Verwunderung der anderen Teilnehmer. Als wir dann endlich angekommen sind, taten uns allen die Füße unglaublich weh, doch wir waren froh, die Strecke gemeistert zu haben, wenn es für uns auch nur die 35km waren.
Wie wir dann später erfahren haben, sind ja 35km gar nichts, das läuft ein Christian Brokat doch jeden Tag. Als wir am Abend dann essen gingen, waren wir eine sehr lustig anzuschauende Gruppe, denn keiner von uns war noch imstande vernünftig zu laufen. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Berlin. Auf dem Weg nach Haus haben wir einen kleinen Zwischenstopp im Kloster Andechs gemacht, wo wir uns mit Weißwürsten und Leberkäse gestärkt haben. Das Essen dort war sehr lecker, hatte jedoch einen kleinen Haken: wir mussten viele Treppen steigen und auch ein kleines Stückchen einfach so bergauf gehen. Für diese Strecke haben wir an diesem Tag bestimmt doppelt so lange gebraucht...
Clemens Barth
52 Kilometer-Marsch
Da es sich bei 52 km um eine lange Strecke handelte, ging es schon um 6:00 Uhr los. Es war also noch dunkel, als wir in Scharnitz an den Start gingen. Da etwa 1000 Teilnehmer anwesend waren, herrschte ein großes Gedränge und Chaos. Nachdem der Startschuss erfolgt war, brach die Menge, ungeachtet der langen Distanz, die zurückzulegen war, stürmisch los. Bald fand ich mich in einer Gruppe mit Linus Lichtschlag, Christian Brokat und Paul Habermann wieder. Von ihnen erfuhr ich, dass vor uns noch Vladimir Vukelic, Julian Mendyka, Hendrik Bohnekamp, und Kevin Rakicki waren. Die ersten Kilometer legten wir relativ gemütlich zurück und trabten nur gelegentlich ein wenig. Dann jedoch forcierte Linus das Tempo und ich folgte. Paul und Broki wollten sich am Anfang nicht verausgaben und ließen uns ziehen. Linus‘ und meine Motivation war, dass wir Hendrik Bohnekamp unbedingt einholen wollten. Und so gönnten wir uns an der Larchet Alm (Km 8) nur einen schnellen heißen Tee zum mitnehmen, bevor es auch schon zügig weiterging. Bald holten wir dann Kevin Rakicki ein, der sich uns anschloss. An der nächsten Station, dem Karwendelhaus (Km 17), machten wir dann eine kurze Pause zur Nahrungsaufnahme, und Linus freute sich besonders über die Blasenpflaster, die es dort gab und legte diese direkt an.
Von Kevin erfuhren wir inzwischen, dass die „Spitzenreiter der Rudererwertung“, Vuke, Jule und Bohne durchgängig gerannt waren und so beschlossen wir, dass von nun an auch zu machen: Berghoch gingen wir in strammen Tempo, den Berg runter und auf gerader Strecke liefen wir. Nach einigen Metern fiel Kevin, wohl um auf Broki und Paul zu warten, zurück und ich versuchte mit großer Anstrengung an Linus dran zubleiben, was zunächst auch noch ganz gut klappte. An der Ladizalm (Km 28) gönnten wir uns noch eine winzige Pause, bevor es mit voller Kraft das sehr steile Stück hinauf zur Falkenhütte (Km 30) ging. Während der ganzen Zeit überholten wir pausenlos andere Läufer, die schneller angegangen waren als wir. Hier bekam ich erstmals Probleme, mit Linus mitzuhalten, eine erste Schwächephase nach ca. 28 Kilometern. Und so fiel ich ein wenig zurück. Auf dem danachfolgenden Abstieg konnte ich mich jedoch wieder aufrappeln und kämpfte mich zu Linus zurück. Fast gemeinsam erreichten wir die Engalm. 35 km hatten wir bisher zurückgelegt. Hier erwarteten uns Klaus Schüler und Jürgen Sommer, die uns die Rucksäcke mit dem unnötigen Ballast abnahmen und uns wertvolle Informationen gaben: „Bohnekamp 10 Minuten vor!“
Linus Ehrgeiz war geweckt und er verlor nun keine Zeit mehr. Ich jedoch beschloss nun, mein eigenes, wenn auch zügiges Tempo einzuhalten, da ich zuvor ja auch schon Probleme gehabt hatte mit ihm mitzuhalten. So lief dann jeder für sich dem letzten und steilsten Anstieg zum Gramai Hochleger (Km 41) entgegen. Hier lief es bei mir unerwartet gut, noch immer holte ich andere Läufer ein. Doch auf dem Abstieg machten plötzlich meine Beine schlapp. Das Bergrunterlaufen war nun anstrengender, als das Hochlaufen, da man bei jedem Schritt sein Körpergewicht abfangen muss. Der Weg hier war auch nicht sehr gut und das Sturzrisiko durch die Erschöpfung sehr hoch. So musste ich nach ca. 42 km dann eine Zwangspause einlegen und konnte das steile Stück bergab zur Gramaialm (44 Km) nur gehen. Dort angekommen, legte ich dann noch eine Pause ein bevor ich die letzten, qualvollsten acht Kilometer meines bisherigen Lebens lief. Die schaffte ich auch nur, indem ich mich an einem anderen Teilnehmer „festbiss“.
Im Ziel in Pertisau erwartete mich dann nach etwa 7:25 Stunden die müden aber gut gelaunten Vereinskameraden Vuke, Jule, Linus, Bohne und ein isotonisches Sportgetränk (Bier). Einige Zeit später trafen dann völlig erschöpft Kevin und Broki ein. Obwohl ich Hendrik nicht mehr eingeholt hatte, war ich im nach hinein froh, es überhaupt so gut durchgestanden zu haben und freue mich schon trotz aller Anstrengugnen auf den nächsten Karwendelmarsch 2010!
Karl Breuer
