Unsere Reise zur U23-WM in Tschechien

oder "Odysseus läßt grüßen"

Wir (Roswitha, Otto, Dieter, Jürgen, Harry und Klaus) wollten als RaW – Schlachtenbummler die Endläufe in Racice besuchen, hatten uns einen Kleinbus gemietet und uns auch sonst mittels verschiedener Routenplaner gut auf die Fahrt ins Unbekannte vorbereitet - meinten wir.

Los ging es morgens um 5 Uhr in Berlin mit Roswitha als Fahrerin, da wir Männer alle das gute tschechische Bier verkosten wollten. Bis nach Dresden und an die Grenze ging in ca. 2 Stunden alles glatt, und dann kamen unsere Routenplaner zum Einsatz: Auf Autobahn 33 km, dann abbiegen – nach 150 m links – rechts abbiegen 450 m – dann auf Landstraße 1,6 km geradeaus – usw. usw. Zwischendurch wurden wir immer wieder von tschechischen Autofahrern angeblinkt, bis uns auffiel, dass man hier auch am Tage mit Licht fährt, wieder um eine Erfahrung reicher. Als nach 33 km, auch nach 34 und 35 km auf der Autobahn kein Abzweig kam, wurden wir langsam ratlos, suchten nach reiflichen Diskussionen die nächste Ausfahrt und fuhren wieder ein Stück auf der Autobahn zurück, bis uns eine Ausfahrt auffiel mit einem blauen Schild: Praha (Prag). Also gut, hier runter, das muss es erst mal sein. Die Autobahn wurde aber zur Landstraße, weil in Tschechien die Autobahnen grün beschildert sind, na ja, dann eben so.

Die Landstraße wurde nun zusehends romantischer, wir fuhren an der Elbe entlang, passierten idyllische Orte und die Straße wurde immer schmaler. Irgendwann kam Dieter auf die Idee, mal zu fragen. Nach Rodnice oder Roudnice oder Racice ? Ja, 8 km geradeaus. Was wir da noch nicht wussten, in dieser Gegend enden fast alle Orte mit „ ice“ und die Tschechen verstanden Dieters Deutsch kaum. Also weiter, Rufe aus dem Innenraum, links, geradeaus, rechts... und wieder Fehlanzeige. Inzwischen waren wir seit der Grenze schon 1,5 Stunden gefahren aber Luftlinie höchstens 20 km von dort entfernt. Unsere Routenplaner warren also absolut unbrauchbar. Gottseidank hatte Dieter noch einen Straßenatlas dabei, der trotz seines großen Maßstabs wenigstens für die grobe Richtung hilfreich sein konnte. Also weiter, die Orte wurden zu Dörfern, die Straßen zu Fahrwegen. Aber die Einheimischen waren sehr hilfsbereit und zeigten immer in die Richtung, die wir auch schon vermutet hatten. Und irgendwann tauchten, als wir gerade aus dem Wald kamen, hohe Fabrikschornsteine auf, über die Martin Weis schon als Luftverpester berichtet hatte.

Irgendwo hier musste Racice und die Regattastrecke sein, aber weit und breit kein Schild. Plötzlich tauchte aus einer anderen, breiteren Straße ein Auto mit deutschem Kennzeichen auf, hielt vor uns und zeigte an, wir sollen hinterher fahren. Und schon nach 500 m waren wir dann an der Strecke, mitten im Grünen. Hier standen endlich auch Hinweisschilder in mehreren Sprachen, für uns leider zu spät. Schweißgebadet besorgten wir uns nach fast 5 Stunden Fahrt erst mal ein tschechisches Bier (0,5 l für 1,-- Euro) und hatten dann die Muße, gerade noch rechtzeitig die anderen RaW – Schlachtenbummler zu begrüßen und die Silbermedaille für Julia Richter sowie die Bronzemedaillen für Hendrik Bohnekamp und für Linus Lichtschlag zu bejubeln, über die an anderer Stelle berichtet wird. Ende gut, alles gut. Zurück ging es dann in 3,5 Stunden ganz einfach, immer geradeaus, wie Dieter sagte.

Klaus Schüler