Die Wunschliste
Nach den Deutschen Kleinboot-Meisterschaften in Brandenburg im April waren drei Sachen klar. Das erste waren die geleisteten Ergebnisse, das zweite war die Tatsache, dass diese spätestens nach dem zweiten Test in Ratzeburg vergessen sein würden, sofern bei irgendeinem ein Gefühl der Zufriedenheit entstehen sollte und die dritte Erkenntnis war: wer bis zur 1500 Meter-Marke führt, der kann gewinnen, kann aber auch vierter werden.
Jedenfalls nahm ich mir das Recht heraus, mir mal meine eigenen Gedanken zum Thema Rudern zu machen und kritzelte in meinen Collegeblock Wunschkombinationen. Nach dem Leistungsprinzip urteilend und mit der Intention Hackers in einem Mannschaftsboot zur WM fahren zu wollen, dachte ich mir Knittel/Krüger könnten bestimmt ganz gut Doppelzweier fahren, Hacker/Brodowski/Grohmann/Bartels im Doppelvierer und Rocher vielleicht Einer; wie gesagt, das war im April. Erstaunlicherweise brachte der zweite Einertest in Abwesenheit von Marcel Hacker, der in dieser Zeit verletzt war, keine Überraschungen.
So fuhren wir nach München zum Weltcup, zwei deutsche Doppelzweier und ein durch weitere Krankheiten geschwächter Doppelvierer. Platz fünf, nicht lange darüber nachdenken. Weitermachen! Endlich begannen die Dinge einen verbesserten Lauf zu nehmen. Man bildete den bereits oben erwähnten Doppelvierer, da Erik Knittel (BRC) und Stephan Krüger(ORC-Rostock) diesen gewannen. Zwei Wochenenden gemeinsames Training folgten, und es war ein für mich unvergesslicher Siegeswille in unserem Boot. Wir redeten nicht viel, dachten uns vielleicht, Schweigen ist Gold. Niemand traute sich jedoch darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Wir fuhren den Vorlauf, verschafften uns Respekt. Das brauchten wir auch, wer die deutschen Misserfolge kennt, weiß warum. Ran an den Start, einfach bis tausend mitfahren und dann „Tschüß“ sagen. Funktionierte erstaunlich gut, und ich hatte meine erste Weltcupmedaille in der Reisetasche auf der Weiterfahrt von Luzern, eine goldene dazu.
Es ging dann direkt weiter ins Trainingslager nach Breisach,. Aber was soll ich dazu schon groß erzählen, wen interessiert schon, was auf den 1200km in sechs Wochen passiert ist?! Also ab nach Pozsnan mit einer ernsthaft perfekten Vorbereitung, bei der wir nie vergaßen, dass Weltmeister und Olympiasieger Polen, sowie die alles in den Vierer packenden Australier und die Weltcupgewinner von München, die Kroaten, in Luzern nicht am Start waren. Vorlauf gewonnen, Halbfinale gewonnen, gerne, wirklich sehr gerne hätten wir eine Serie daraus gemacht, hätten die Polen im eigenen Land entthronen wollen, waren wir doch eine Wunschmannschaft, 400kg cooler Typen. Voller Respekt vor der polnischen Crew und den mutigen Australiern freuen wir uns über Bronze und erinnern uns an einen richtigen Hammerendspurt.
Vielen Dank von der gesamten Mannschaft an alle Klubmitglieder, die uns die Daumen gedrückt haben und sogar live an der Strecke waren.
Karsten Brodowski
